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Bodenmanagement, Analytik und Arbeitssicherheit: Bundesweite Ingenieurkompetenz für Bauprojekte

04.11.2026

Die Entsorgung belasteter Böden und Stoffe ist häufig nur einer von vielen Schritten bei Bau- oder Sanierungsprojekten. Schon lange vor dem Bodenaushub sind Ingenieure gefragt, die Materialien untersuchen, Belastungen bewerten, Gutachten erstellen, Maßnahmen empfehlen und in die Wege leiten. REMONDIS Industrie Service hat sein Entsorgungsangebot deshalb um vielfältige Ingenieurleistungen erweitert. Wie eng Analytik, Bodenmanagement, Arbeitssicherheit und Sonderabfallentsorgung dabei ineinandergreifen, erklärt Markus Latzke-Schlinkert von der Niederlassung Friedeburg. Von dort aus werden die Leistungen bereits deutschlandweit angeboten.


Lieber Herr Latzke-Schlinkert, wie kam es dazu, neben Sonderabfallentsorgung auch Ingenieurleistungen anzubieten?

Das hat sich über viele Jahre aus den Anforderungen unserer Kunden entwickelt. Wir haben in Friedeburg sehr viele Bestandskunden mit langfristigen Rahmenverträgen. Irgendwann kamen diese mit zusätzlichen Fragen auf uns zu: Könnt ihr neben der Abfallbilanz auch eine Lösemittelbilanz erstellen? Wenn euch die Daten und Informationen ohnehin vorliegen, könnt ihr auch die Auswertung und Dokumentation übernehmen? So sind nach und nach weitere Leistungen hinzugekommen. Beim Bodenmanagement war es ähnlich. Wir haben zunächst Bodenmaterialien entsorgt, dann kam die Deklarationsanalytik hinzu. Und zwar nicht erst, wenn das Material ,ausgebaut’ wurde, sondern schon im Vorfeld geplanter Maßnahmen. Es ist einfach sinnvoller, vorher zu untersuchen, was im Boden steckt und wie damit kosten- und ressourcenschonend umgegangen werden kann.

Wir kommen ursprünglich aus der Entsorgung und haben uns im Projektablauf immer weiter nach vorne bewegt. Heute steigen wir oft schon Jahre vor der eigentlichen Baumaßnahme ein und begleiten Projekte mit unseren Ingenieurleistungen von Anfang bis Ende; von der ersten Bodenprobe und -analyse über Baugrundgutachten und Arbeitssicherheit bis zur Entsorgung und Dokumentation.

Was haben Unternehmen oder kommunale Auftraggeber davon, wenn Sie von Anfang an eingebunden sind?

Planungssicherheit und Einsparpotenziale. Nehmen wir als Beispiel eine Baustelle mit unterschiedlich belasteten Böden. Wenn wir früh wissen, wo welches Material liegt, kann es beim Ausbau getrennt werden. Dadurch vermeiden wir, dass unterschiedlich belastete Materialien miteinander vermischt werden und anschließend alles über einen notwendigerweise teureren Entsorgungsweg laufen muss.

Wir können die Proben entnehmen, das Material bewerten, das Bodenmanagement planen, die Baustelle begleiten und später auch die Verwertung oder Entsorgung organisieren. Gleichzeitig decken wir den Bereich der Arbeitssicherheit mit ab. Für das Bauprojekt bedeutet das weniger Schnittstellen, weniger Abstimmungsaufwand und ein Projektverantwortlicher, der den gesamten Vorgang kennt.

Wo Sie gerade die Arbeitssicherheit ansprechen: Welche Rolle spielt sie in der Praxis?

Eine große und wichtige Rolle. Gerade bei Rückbau- und Sanierungsarbeiten können belastete Materialien auftauchen, mit denen vorher niemand gerechnet hat. Dann müssen wir schnell klären, ob eine Gefährdung für die Beschäftigten besteht. Unsere Fachkräfte für Arbeitssicherheit kennen mögliche Szenarien ebenso wie die Besonderheiten der Materialien. Sie können einschätzen, ob Proben genommen werden müssen – die wir dann auch nehmen – und unter welchen Bedingungen sicher weitergearbeitet werden darf.

Dazu kommen klassische Aufgaben wie Sicherheitsunterweisungen oder die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination auf Baustellen. Aus unserer Erfahrung ist es unverzichtbar, dass Arbeitssicherheit praxisnah und auf den jeweiligen Betrieb zugeschnitten ist. Eine jährliche Unterweisung darf nicht einfach nur aus einer allgemeinen Präsentation bestehen. Sie muss etwas mit dem tatsächlichen Arbeitsalltag zu tun haben, damit die Belegschaft sie mitträgt. Wenn wir zum Beispiel den Schalldruckpegel an einem Holzschredder betrachten, schauen wir gemeinsam: Wie verändert sich der Lärm, je nachdem, was gerade durch die Maschine läuft? Wird der Holzschredder bei größeren Balken tatsächlich lauter? Solche Beispiele machen Arbeitsschutz greifbar und sorgen dafür, dass die Mitarbeitenden nicht nur zuhören, sondern auch etwas mitnehmen.

Unsere Stärke ist, dass wir verschiedene Qualifikationen im Team zusammenführen. Unsere Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind zum Teil auch qualifizierte Probenehmer oder haben Erfahrung mit der SiGe-Koordination in kontaminierten Bereichen.

Wie sorgen Sie dafür, dass Arbeitssicherheitsmaßnahmen tatsächlich umgesetzt werden?

Indem wir gemeinsam realistische Ziele und konkrete Teilschritte festlegen. Wenn beide Seiten wissen, was erreicht werden soll und welcher Zeitraum machbar ist, ist die Akzeptanz wesentlich höher. Danach braucht es aber auch Kontrolle. Das gilt für die Arbeitssicherheit genauso wie für eine Sanierung. Wenn beispielsweise 20 Zentimeter belasteter Boden abgetragen werden müssen, prüfen wir auch, ob tatsächlich 20 Zentimeter entfernt wurden – nicht nur zehn, sodass Belastungen zurückbleiben, aber auch nicht 30, wenn dadurch unnötig zusätzliche Entsorgungskosten entstehen.

Was lässt sich aus Beinaheunfällen lernen, und warum lohnt es sich, hier genau hinzuschauen?

Weil sie zeigen, wo ein Unfall hätte entstehen können. Wenn beispielsweise ein Behälter beschädigt wird und der Austritt gerade noch rechtzeitig gestoppt werden kann, ist zunächst nichts Schlimmeres passiert. Trotzdem sollte man sich fragen: Was wäre gewesen, wenn Gefahrstoff ausgetreten wäre? Was müssen wir ändern, damit wir im Ernstfall vorbereitet sind? Aus solchen Situationen lassen sich sehr konkrete, präventive Maßnahmen ableiten, die wir dann auch umsetzen. Denn der beste Unfall ist der, der gar nicht erst passiert. 

Risiken fallen aber nicht nur bei Beinaheunfällen auf, sondern oft schon bei Erstbegehungen. Ölhaltige Betriebsmittel können beispielsweise eine Selbstentzündungsgefahr darstellen und dürfen nicht beliebig gelagert werden. Das ist vielen gar nicht so bewusst. Dabei gehört genau dieser Punkt auch zu den Standardauflagen von Brandschutzversicherungen.

Wie ist Ihr Team für diese vielfältigen Aufgaben aufgestellt?

Aktuell besteht unser Ingenieurteam aus fünf Mitarbeitern mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dazu gehören unter anderem Arbeitssicherheit, Havariebearbeitung sowie Analytik. Wir bauen diesen Bereich derzeit weiter aus und sind nicht nur regional, sondern deutschlandweit tätig.
Ein großer Vorteil ist unsere Einbindung in den REMONDIS-Verbund. Wir arbeiten beispielsweise mit mehreren Laboren innerhalb des Verbunds zusammen. Jedes hat seine eigenen Schwerpunkte. Eine Probe muss deshalb nicht zwangsläufig am nächstgelegenen Standort untersucht werden, sondern dort, wo die passende Expertise vorhanden ist. Durch Kurier- und Expresslösungen können wir auch bei zeitkritischen Fällen schnell reagieren.

Ähnlich ist es bei den technischen Kapazitäten. In Friedeburg stehen uns mehrere Saugfahrzeuge zur Verfügung. Bei großen Havarien können wir kurzfristig zusätzliche Fahrzeuge von anderen Standorten wie Melle, Bramsche und Hamburg hinzuziehen. Für unsere Kunden bleibt die Zusammenarbeit trotzdem einfach. Sie haben einen zentralen Ansprechpartner, während wir die verschiedenen Leistungen koordinieren.

Wann werden bei Havarien zusätzliche Kapazitäten benötigt?

Zum Beispiel bei Havarien in Baugruben. Wenn belastetes Wasser eintritt und gleichzeitig Grundwasser nachströmt, kann die Behörde untersagen, dieses Wasser wie bisher abzuleiten. Dann müssen unter Umständen 20 Kubikmeter pro Stunde oder mehr aufgenommen und abgefahren werden. In solchen Situationen braucht man kontinuierlich Fahrzeuge, die wir bei Bedarf von anderen Standorten aus dem REMONDIS-Verbund hinzuziehen. Unsere Ingenieure bewerten parallel die Situation, organisieren die nächsten Schritte und stimmen sich mit den Behörden ab, damit auf der Baustelle sicher weitergearbeitet werden kann.

Baustellen, Havarien oder größere Maßnahmen kommen für unsere Kunden immer zum normalen Tagesgeschäft hinzu. Viele Unternehmen haben dafür schlicht keine freien Kapazitäten. Genau diese Überbeanspruchung fangen wir auf.

Zur Person: Markus Latzke-Schlinkert

  • gebürtiger Ostfriese
  • Studium der Chemietechnik mit Schwerpunkt Umwelttechnik
  • am Standort Friedeburg zunächst tätig im Bereich Arbeitssicherheit mit administrativem Schwerpunkt, durch das Studium zugleich fachlicher Schwerpunkt in der Analytik
  • später Betriebsleiter des Standorts Friedeburg
  • Aufbau und Weiterentwicklung des Bereichs Analytik

Unsere Ingenieur- und Entsorgungsleistungen für Industriebetriebe

  • Entsorgungskonzepte und Behältergestellung
  • Beratung und technische Begleitung beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (entsprechend der AwSV), einschließlich Anlagenwartung, -reinigung und Generalinspektionen von Abscheideranlagen
  • Beratung und Unterstützung im Immissionsschutz
  • Arbeitssicherheit und Fremdfirmenmanagement, z. B. während Spitzenzeiten oder Betriebsstillständen
  • Baugrunduntersuchungen, Bodenmanagement und Begleitung von Standortentwicklungen und Bauvorhaben auf Industrieflächen
  • Havarie-Management inklusive Reinigungstechnik, Saugfahrzeugen und Behördenkommunikation

Mehr erfahren auf unserer Leistungsseite
 

Bei solchen Einsätzen spielen Schadstoffbelastungen oft eine Rolle. Mit welchen Stoffen haben Sie besonders häufig zu tun?

Klassisch sind Bodenverunreinigungen durch Mineralöle. Teilweise stammen Altlasten und Belastungen noch aus dem Zweiten Weltkrieg und liegen seit Jahrzehnten unentdeckt im Erdreich. Gerade beim Umbau von Erd- oder Flüssiggasleitungen oder technischen Anlagen können beispielsweise PAK, PCB, belastete Beschichtungen, Dichtungsmaterialien oder Stoffe aus alter Elektrotechnik eine Rolle spielen. In solchen Situationen muss sehr schnell geklärt werden, welche Gefährdung besteht, wie die Beschäftigten geschützt werden können und wie das Material behandelt werden kann. 

Was passiert, wenn die Ergebnisse aus dem Labor vorliegen?

Dann beginnt für uns ein ganz entscheidender Teil. Ein Laborwert allein hilft dem Kunden nur begrenzt. Wenn in einer Probe beispielsweise ein bestimmter PAK-Wert festgestellt wird, möchte der Kunde nicht nur die Zahl wissen. Er möchte wissen, was der Wert für das Vorhaben bedeutet. Also wie das Material entsorgt werden kann und wie Beschäftigte zu schützen sind. Diese Interpretation leisten wir, indem wir aus den Analysedaten konkrete Handlungsanleitungen ableiten. Es gibt zwar Tabellen und Grenzwerte zur Einordnung, aber oft eben auch Ausnahmen, Nebenbestimmungen und regionale Besonderheiten. Diese fachlich richtig einzuordnen, ist unser Spezialgebiet.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Ein gutes Beispiel ist Torf. Aufgrund einzelner Analysewerte kann zunächst der Eindruck entstehen, das Material müsse als gefährlicher Abfall entsorgt werden. Für Torf gelten jedoch Besonderheiten, die berücksichtigt werden müssen. Je nach Fall kann durchaus eine Verwertung möglich sein. Ein anderes Beispiel ist Klei, ein für unsere Region typisches Meeressediment. Klei weist von Natur aus unter anderem eine hohe elektrische Leitfähigkeit auf. Der Standardmaßstab sagt hier: gefährlicher Abfall. Aber Klei ist geogen bzw. ortstypisch. Unter bestimmten Voraussetzungen lässt die Ersatzbaustoffverordnung beziehungsweise die regionale Regelung eine entsprechende Verwertung zu. Wir übernehmen in solchen Fällen auch die Abstimmung mit den zuständigen Behörden.
 

Welche Unternehmen und Auftraggeber nutzen Ihre Ingenieurleistungen?

Das Spektrum ist sehr breit. Dazu gehören Städte und Gemeinden, beispielsweise bei Straßensanierungen oder Havarien, ebenso wie große Industrieunternehmen. Wir arbeiten unter anderem für Kunden aus der Petrochemie, dem Maschinen- und Kranbau, für Werften und Logistikunternehmen. Unsere Kunden verbindet, dass sie sicher, rechtskonform und möglichst effizient arbeiten wollen, dafür aber keine eigenen Kapazitäten haben.

Was übernimmt die Sparte Ingenieurdienstleistungen konkret für Werften?

Werften sind in der Regel über eine sehr lange Zeit industriell genutzt worden. Entsprechend komplex können Infrastruktur, Böden und vorhandene Materialien sein. Wir übernehmen dort beispielsweise die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination. Bei Wartungsarbeiten an Schiffen können zeitweise mehrere hundert bis über tausend Menschen gleichzeitig tätig sein. Hier braucht es eine sehr gute Koordination der Arbeitssicherheit und gleichzeitig die analytische Expertise, wenn bei Arbeiten unerwartete Materialien auftauchen. Dann können wir direkt prüfen, ob eine besondere Gefährdung besteht und welche Analytik notwendig ist.

Außerdem entwickeln wir Entsorgungskonzepte vom Entstehungsort an. Wenn auf einem Schiff Hydrauliköl anfällt, geht es zum Beispiel darum, wie es ortsnah sicher gesammelt und anschließend verwertet werden kann. Wir übernehmen sowohl das Konzept als auch die praktische Umsetzung.

Welchen Vorteil bringt dabei die Erfahrung als Gefahrstoff- und Sonderabfallentsorger?

Wir kennen nicht nur die Analytik, sondern auch die Anforderungen der verschiedenen Entsorgungsanlagen. Wenn wir ein Material untersuchen sollen, denken wir automatisch einen Schritt weiter in Richtung Entsorgung: Welche Parameter brauchen wir, um den richtigen Entsorgungs- oder Verwertungsweg zu finden? Gibt es zusätzliche Untersuchungen, mit denen sich möglicherweise ein wirtschaftlicherer Weg eröffnen lässt?

Auf der anderen Seite können unsere Ingenieurleistungen auch unabhängig von einem Entsorgungsauftrag genutzt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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