Gefährliche Baumischabfälle: Wenn gemischte Bau- und Abbruchabfälle zu Sonderabfall werden
26.05.2025
Das Bauwesen ist rein mengen- und massenmäßig der mit Abstand größte Abfallerzeuger. Auf Baustellen fällt jedoch nicht nur viel, sondern auch vielfältiger Abfall an. Diese verschiedenen Abfallfraktionen müssen grundsätzlich bereits vor Ort getrennt werden. Ist dies jedoch aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, ergibt sich eine eigene Abfallart: Baumischabfall. Die Entsorgung und Verwertung dieser gemischten Bauabfälle erfordert eine besondere Expertise – insbesondere wenn es sich um gefährliche Abfälle handelt.
Bau- und Abbruchabfälle: Schwergewicht der Kreislaufwirtschaft
Der Anteil der Bau- und Abbruchabfälle am Gesamtabfallaufkommen in Deutschland ist enorm: Von insgesamt etwa 387 Millionen Tonnen Abfall entfielen nach Daten des Statistischen Bundesamts im Jahr 2023 rund 200 Millionen auf diese Kategorie – mehr als 50 Prozent. Betrachtet man lediglich das „Nettoaufkommen” (also abzüglich der Abfälle, die in Abfallbehandlungsanlagen anfallen), waren es sogar 58 Prozent. Über die Hälfte der Bauabfälle setzt sich aus Boden, Steinen und Baggergut (Bodenaushub) zusammen. Weitere mineralische Abfälle fallen als Bauschutt aus Beton, Ziegeln und Keramik sowie als Straßenaufbruch und Bauabfälle auf Gipsbasis an.
Zusammengenommen machen diese mineralischen Abfälle mehr als 90 Prozent des Bau- und Abbruchabfalls aus. Den Rest bilden sogenannte Baustellenabfälle, die größtenteils aus Stahl und Altholz bestehen, aber auch Glas und Kunststoff sowie andere Metalle und Dämmmaterial umfassen. Rund ein Viertel der Baustellenabfälle sind in der Regel Baumischabfälle.
Was genau sind Baumischabfälle?
Baumischabfälle können sich aus sehr unterschiedlichen Abfällen zusammensetzen. Beton, Bodenbeläge, Folien, Fliesen, Gipskarton und Glas können ebenso Bestandteile sein wie Holz, Kunststoffe, Kabelreste, Keramik, Laminat, Polystyrol (Styropor), Putze, Steine, Stroh, Tapeten oder Verpackungen. Typischerweise handelt es sich um Gemische aus verschiedenen Materialien, die auf der Baustelle nicht getrennt wurden – meist, weil dies technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar war. Gerade bei Abbruch-, Sanierungs- oder Innenausbauarbeiten entstehen solche heterogenen Stoffströme nahezu zwangsläufig.
Gleichzeitig unterliegen Baumischabfälle klaren Einschränkungen. Bestimmte Fraktionen dürfen nur in begrenztem Umfang enthalten sein. So liegt der Anteil mineralischer Stoffe wie Beton, Ziegel oder Steine bei maximal fünf Volumenprozent. Gleiches gilt etwa für Polystyrol. Werden diese Anteile überschritten, müssen die Materialien getrennt erfasst und als eigene Abfallfraktion entsorgt werden.
Ebenso wichtig ist die Abgrenzung: Reiner Bauschutt gehört ebenso wenig zu Baumischabfällen wie sortenrein getrennte Fraktionen wie Holz, Metalle oder Gips. Baumischabfälle sind also immer ein Restgemisch, das aus nicht vermeidbarer Vermischung entsteht – und genau darin liegt die Herausforderung für Entsorgung und Recycling.
„Da gemischte Abfälle die Verwertung erschweren und unnötige Kosten erzeugen können, hat bei Baumischabfällen die Vermeidung oberste Priorität. REMONDIS Industrie Service berät Bauunternehmen projektspezifisch schon vor Baubeginn zur optimalen Abfalltrennung und unterstützt laufende Bauprojekte mit einem reibungslosen Abfallmanagement.”
Sven Meinecke, Leitung Key Account Management REMONDIS Industrie Service
Wenn Baumischabfälle gefährlich werden
Baumischabfälle können zu gefährlichen Abfällen werden, wenn sie Schadstoffe enthalten. Typische Beispiele sind:
- Asbest oder künstliche Mineralfasern
- PCB-haltige Baustoffe (beispielsweise Dichtmassen oder Bodenbeläge)
- PAK aus teerhaltigen Materialien
- Schwermetalle oder Holzschutzmittel
- Lösemittel, Lacke oder Öle
Auch mengenabhängige Effekte spielen eine Rolle: Enthält ein Abfallgemisch beispielsweise einen hohen Anteil an HBCD-haltigen Dämmstoffen, kann es als gefährlich eingestuft werden. Meist sind es jedoch nicht Fehler bei der Abfalltrennung, sondern unverschuldete Kontaminationen, die Baumischabfälle in der Praxis gefährlich machen. Ein typisches Beispiel hierfür sind Brandabfälle, die mit Löschwasser kontaminiert sind.
Entsorgung von Baumischabfällen
Da die stoffliche Verwertung von Gemischen einen höheren Aufwand erfordert, ist die Entsorgung von Baumischabfällen immer teurer als die von sauber getrennten Bau- und Abbruchabfällen. REMONDIS Industrie Service setzt daher gezielt auf präventive Beratung:
Durch projektspezifische Entsorgungskonzepte, passende Sammelsysteme und Präsenz auf der Baustelle lassen sich Baumischabfälle deutlich reduzieren.
Gerade bei gefährlichen Baumischabfällen handelt es sich jedoch häufig um Fälle, in denen sich der Status als Mischung nicht umgehen lässt. Bei Abbrucharbeiten nach Bränden, bei Altlastensanierungen oder bei kontaminierten Rückbauten entstehen Abfälle, die zwangsläufig gemischt und zugleich schadstoffbelastet sind. Hier unterstützt REMONDIS Industrie Service Bauunternehmen mit umfassender Expertise. Diese wird für Kunden aus ganz Deutschland am Standort Bargeshagen durch die dort ansässige Entsorgungsgesellschaft mbH für Mecklenburg-Vorpommern (EMV) gebündelt. Rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern widmen sich hier der Abholung, den Stoffanalysen, der Konditionierung und Behandlung schadstoffbelasteter Abfälle
Komplexe Abfälle brauchen starke Partner
Baumischabfälle sind ein unvermeidbarer Bestandteil moderner Bauprozesse, besonders bei großen Rückbau- und Sanierungsprojekten. Werden sie zusätzlich durch Schadstoffe belastet, steigen die Anforderungen an Entsorgung, Logistik und Dokumentation erheblich. REMONDIS Industrie Service unterstützt Bauunternehmen dabei, auch diese anspruchsvollen Abfallströme sicher zu beherrschen. Mit technischem Know-how, umfassender Beratung und einem leistungsstarken Netzwerk aus spezialisierten Anlagen und Partnern.
Quellen:
- BBS: 14. Bericht der Initiative Kreislaufwirtschaft Bau veröffentlicht. Link
- Das Haus: Baumischabfälle: Was in den Container gehört und was nicht. Link
- Kreislaufwirtschaft Bau: Mineralische Bauabfälle Monitoring 2022. Link
- Umwelt Bundesamt: Abfallaufkommen. Link
- Umwelt Bundesamt: Bauabfälle. Link
Bildnachweis: Boghanhoda, iStock