Drogenlabore: Nach dem Ermittlungserfolg kommt die Entsorgung
16.04.2026
Wie entsorgt man eigentlich ein Drogenlabor? Diese Frage – so kurios sie auch klingen mag – stellt sich für REMONDIS Industrie Service öfter, als man vielleicht denkt. Wenn irgendwo in Deutschland eine Drogenküche „hochgenommen“ wird, sind meist wenig später auch Fachkräfte aus der Sonderabfallentsorgung vor Ort, um Gefahrstoffe zu identifizieren und eine sichere Entsorgung zu gewährleisten. Da die Gefahrstoffe schnellstmöglich von ihrer Anfallstelle entfernt werden müssen, ist das Team bundesweit auch kurzfristig zur Stelle.
Zahl der Drogenlabore steigt bedenklich
Die Zahl illegaler Labore nimmt zu. In Deutschland wurden laut Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität des BKA 2023 14 Drogenlabore sichergestellt. 13 davon waren noch auf die Produktion von Amphetaminen ausgelegt. Im Jahr darauf stieg die Anzahl ausgehobener Rauschgiftlabore auf 25 – doppelt so viele wie im Fünfjahresdurchschnitt. Darunter befanden sich allein elf Großlabore, von denen jedes einzelne in einem Jahr mehr Designerdrogen produzieren könnte, als üblicherweise von Polizei und Zoll in diesem Zeitraum beschlagnahmt werden. Der Großteil der illegalen Produktionsstätten (16 – einschließlich Großlabore) diente abermals der Herstellung von Amphetaminen. In drei Fällen handelte es sich um Labore zur Produktion von sogenannten Cathinonen. Zwei Tatorte waren sogenannte Kombi-Labore, in denen verschiedene Drogen (Amphetamine, Cathinone, MDMA) gleichzeitig hergestellt wurden.
Die Sicherstellung und Entsorgung solcher Drogenlabore ist von enormer Wichtigkeit. Nicht nur, um zu verhindern, dass gesundheitsschädigende Substanzen auf dem Schwarzmarkt landen, sondern auch, um eine illegale Entsorgung hochgefährlicher Chemikalienabfälle zu unterbinden. Als erfahrener Spezialist für gefährliche Abfälle unterstützt REMONDIS Industrie Service Zoll- und Polizeibehörden bei dieser fordernden Aufgabe.
„Drogenlabore stellen auch nach ihrem Betriebsstopp noch eine große Gefahr für Mensch und Umwelt dar. REMONDIS Industrie Service unterstützt Zoll und Polizei mit der Analyse von Chemikalien und Abfällen vor Ort, übernimmt den sicheren Transport und die Vernichtung der Gefahrstoffe.“
Deimantas Herrmann, REMONDIS Industrie Service in Bramsche
Großeinsatz in Nauen: Labor mit 400 Kilogramm Cathinonen
Ein besonders aufsehenerregender Entsorgungseinsatz von REMONDIS Industrie Service ereignete sich Ende Oktober letzten Jahres im brandenburgischen Nauen. Nach etwa fünfmonatiger Fahndungsarbeit wurde dort von Einsatzkräften des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg ein riesiges Drogenlabor ausgehoben. Rund 400 Kilogramm Designerdrogen im Wert von mehreren Millionen Euro wurden von den Beamtinnen und Beamten sichergestellt. Bei den Rauschmitteln handelte es sich um sogenannte Cathinone – psychoaktive Substanzen, die vergleichsweise leicht und billig hergestellt werden können. Neben den fertigen Drogen fanden sich außerdem mehrere Tonnen an gefährlichen Chemikalien und Chemikalienabfällen. Der Einsatz zog in den folgenden Wochen noch fünf weitere Laborfunde in Deutschland nach sich. Insgesamt wurden so mehr als 800 Kilogramm Designerdrogen sowie circa 160.000 Liter Chemikalienabfälle gesichert.
Drogenlabor entsorgen: Von der Gefährdungsbeurteilung bis zur thermischen Beseitigung
Häufig werden Drogenlabore – anders als in Nauen – durch einen Zwischenfall wie einen Brand oder eine Explosion entdeckt. Feuerwehr und Polizei sichern dann den Einsatzort, identifizieren ihn als Drogenlabor und nehmen Beweismittel und fertige Drogen an sich. Nach der polizeilichen Sicherstellung wird ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen wie REMONDIS Industrie Service hinzugezogen. Die Begehung des Objekts erfolgt unter hohen Arbeitsschutzanforderungen – mit Schutzanzug und Atemschutz. Dabei führen die Mitarbeitenden zunächst eine grobe Gefährdungsbeurteilung durch, die sowohl den Zustand des Gebäudes (abgebrannt, teilweise zerstört, intakt) als auch die Art und Menge der Chemikalien sowie die Beschaffenheit der Gebinde beinhaltet.
Oft sind Gebinde nicht beschriftet oder so weit beschädigt, dass ihre Beschriftung nicht mehr erkennbar ist. Darüber hinaus finden sich nicht selten verunreinigte Chemikalien oder solche, die für den industriellen Gebrauch unüblich sind. Da sich die Betreiber in der Regel zu diesem Zeitpunkt in Polizeigewahrsam (oder auf der Flucht) befinden, müssen sich die chemischen Fachkräfte selbst ein Urteil bilden, womit sie es zu tun haben. Dabei spielt zunächst Erfahrung eine wichtige Rolle. Viele Stoffe lassen sich bereits anhand von Aussehen, Farbe, Aggregatzustand oder Prozessresten identifizieren oder wenigstens grob einordnen. Mithilfe von Schnelltests können vor Ort zudem bestimmte Eigenschaften wie Explosivität festgestellt werden. Im Zweifelsfall werden Proben entnommen und ins Labor gebracht, wo sie umgehend analysiert werden müssen.
Die identifizierten Chemikalienabfälle, Grundstoffe, beschädigten Behälter und Gasflaschen werden in geeignete Sicherheitsbehälter umgefüllt und gemäß ADR sicher verpackt. Das geräumte Labor wird meist „besenrein” hinterlassen. Die Dekontamination von Wänden und Böden übernimmt im Anschluss ein weiteres spezialisiertes Unternehmen der REMONDIS-Gruppe.
Die Sicherheitsbehälter mit den gefährlichen Abfällen werden anschließend in Hochtemperaturverbrennungsanlagen für Sonderabfälle thermisch beseitigt.
Eine Frage der Sicherheit: Kurzfristige Einsatzbereitschaft
Eine Besonderheit bei der Entsorgung von Drogenlaboren ist der Zeitfaktor. Nicht selten befinden sich die illegalen Produktionsstätten in Wohngebieten, wo sie eine enorme Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Hinzu kommt, dass die zurückgelassenen Grundstoffe Begehrlichkeiten bei verbliebenen Drogenproduzenten wecken, was eine teure Bewachung durch Sicherheitsdienste erforderlich macht. Aus diesen Gründen muss die Entsorgung innerhalb kürzester Zeit erfolgen. REMONDIS Industrie Service ist deshalb bundesweit stets auch kurzfristig einsatzbereit. Ab und zu werden Abfalltransporte sogar unter Blaulicht eskortiert, damit sie möglichst schnell die gefährdeten Bereiche verlassen können.
Die eigentlichen fertigen Drogen werden bei der Entsorgung von Drogenlaboren übrigens in der Regel nicht entsorgt. Sie landen vorerst zur Beweissicherung bei der Polizei. Allerdings übernimmt REMONDIS Industrie Service später ebenso die Beseitigung dieser Rauschmittel. In diesen Fällen wird der Transport zur Sonderabfallverbrennungsanlage zum Schutz vor kriminellen Zugriffen polizeilich begleitet. Auch die Vernichtung erfolgt – wie bei Betäubungsmitteln vorgeschrieben – unter behördlicher Aufsicht.
Quellen:
- Bundeskriminalamt: Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2024. Link
- Bundeskriminalamt: Im Fokus: Bundeslagebild Rauschgiftkriminalität 2023. Link
- HReinspaziert: Episode 9: Vom Reagenzglas zu Drogenlabor – Alltag eines Chemiekanten. Link
- rbb24: Drogenlabor in Nauen geräumt: Auswertung wird Polizei “mehrere Wochen beschäftigen”. Link
- Tagesspiegel PNN: Drogenlabor in Nauen spielt große Rolle. Link
Bildnachweis: Littlewolf1989, AdobeStock