Von den Anfängen bis heute: REMONDIS Industrie Service feiert 25. Jubiläum als Spezialgesellschaft für Sonderabfall
24.04.2026
Sonderabfälle sind Teil jeder Industriegesellschaft und fallen in den verschiedensten Branchen und Wirtschaftszweigen an. Das professionelle und sichere Handling dieser Abfälle ist unverzichtbar, um Menschen und die Umwelt vor Gefahrstoffen zu schützen. Innerhalb der REMONDIS-Gruppe hat dieser Grundsatz bereits seit mehr als 40 Jahren einen wichtigen Stellenwert. Um die Behandlung gefährlicher Abfälle weiter zu professionalisieren, wurde vor 25 Jahren eine eigene Spezialgesellschaft für den Bereich Sonderabfall gegründet: Die RETHMANN Sonderabfall GmbH & Co. KG, die heutige REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG. Ein Rückblick zeigt die herausragende Entwicklung der letzten 25 Jahre.
Anfänge des Sonderabfall-Geschäfts innerhalb der RETHMANN-Gruppe
Der Startschuss für die Aktivitäten im Bereich Sonderabfall fiel für die Unternehmensgruppe im Jahr 1980 mit der Errichtung des ersten Sonderabfallzwischenlagers in Marl. Fortan wurde nach und nach ein Standortnetz und die entsprechende Infrastruktur aufgebaut, um systematisch Sonderabfällen zu behandeln. 1991 war diese Entwicklung so weit fortgeschritten, dass der Standort Lübeck das größte Sonderabfallzwischenlager Norddeutschlands betrieb.
In den Anfangsjahren waren die Sonderabfall-Aktivitäten zunächst dezentral innerhalb der REMONDIS-Gruppe organisiert. Wichtige Funktionen wie die kommunale Schadstoffsammlung, die Tätigkeit als Partner für Industrie und Gewerbe und das Betreiben eigener Anlagen wurden von Anfang der 80er bis Ende der 90er Jahre an mehreren Standorten in Deutschland abgewickelt und von einer Stabsabteilung der RETHMAN Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft in Lünen verwaltet. Darunter waren beispielsweise mehrere Zwischenlager für Sonderabfälle und Chemisch-Physikalische Anlagen zur Behandlung flüssiger gefährlicher Abfälle.
Entschlussfassung: Weitere Spezialisierung durch eigene Sonderabfallsparte
Ende der 90er Jahre wurde dann der Entschluss zu einer eigenen Sonderabfallsparte gefasst, um durch Spezialisierung weitere Potenziale zu erschließen und sich langfristig zu entwickeln. Maßgeblich dafür waren die Standorte, die bereits zuvor in der Sonderabfallbehandlung tätig waren und in der neuen Gesellschaft weiterentwickelt werden sollten. Darunter auch die heutigen Standorte der REMONDIS Industrie Service in Schwarzheide, Recklinghausen, Berlin, Ziepel, Leipzig, Ebersberg, Lübeck und Betzweiler-Wälde (heute Loßburg).
Am 24. April 2001 war es dann so weit: Die RETHMANN Sonderabfall GmbH & Co. KG wurde als eigene Gesellschaft im Handelsregister eingetragen, um die bundes- und europaweite Steuerung aller Geschäftseinheiten im Bereich Sonderabfall zu übernehmen und die entsprechenden Dienstleistungen vertrieblich voranzutreiben. Im Juli wurden die Aktivitäten offiziell. Insgesamt waren in der Anfangszeit 400 Mitarbeitende und 190 Fahrzeuge für die neue Gesellschaft im Einsatz.
In den ersten Jahren entwickelte sich das Unternehmen und sein Standortnetz fortlaufend weiter. Auch neue Dienstleistungsbereiche kamen hinzu: Seit 2004 bieten die Standorte Recklinghausen und Berlin Dichtheitsprüfungen von Abscheideranlagen an – zum Beispiel für Tankstellen oder Fahrzeug-Waschplätze.
Umfirmierung und Grundsteinlegung für heutiges Sonderabfallgeschäft
Nach vier Jahren erfolgreicher Weiterentwicklung der Sonderabfallsparte wurde ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der REMONDIS Industrie Service erreicht. 2005 erfolgte der Zusammenschluss der REMONDIS-Gruppe mit der ehemaligen RWE Umwelt. In diesem Zuge wurde auch das Industrie-Recycling-Zentrum Bramsche, das heute der größte Standort der REMONDIS Industrie Service ist, in den Unternehmensverbund integriert. Gleichzeitig fiel eine weitere richtungsweisende Entscheidung: Alle unter RETHMANN firmierenden Entsorgungsgesellschaften sollten zum 1. Januar 2005 zur REMONDIS-Gruppe umfirmiert werden. Aus der RETHMANN Sonderabfall wurde die REMONDIS Industrie Service.
Leuchtturmprojekte und Weiterentwicklung des Dienstleistungsspektrums
Das Jahr 2005 bildete mit seinen vielschichtigen Veränderungen eine wesentliche Grundlage für die heutige Geschäftstätigkeit der REMONDIS Industrie Service. In den Folgejahren wurde gezielt in den Ausbau von Standorten und Anlagen sowie in die Weiterentwicklung von Verfahren und Dienstleistungen investiert. Besonders hervorzuheben sind hier einige Leuchtturmprojekte, die schon zwischen 2005 und 2015 wegweisend waren.
Im Jahr 2006 unterstützte REMONDIS QR – damals noch unter dem Namen NQR Nordische Quecksilber Rückgewinnung GmbH als Tochtergesellschaft der REMONDIS Industrie Service – das Grüne Gewölbe in Dresden bei umfangreichen Restaurierungsarbeiten. Zur Herstellung originalgetreuer Quecksilberspiegel, die die Juwelen im Grünen Gewölbe zusätzlich zum Strahlen bringen sollten, stellte sie 170 Kilogramm recyceltes Quecksilber zur Verfügung. Im Herbst 2006 wurde das Grüne Gewölbe durch Angela Merkel für die Öffentlichkeit wiedereröffnet.
2009 rollte das erste MOBIWER über die Straßen. Das Spezialfahrzeug für die Werkstattentsorgung ist eine Eigenentwicklung von REMONDIS Industrie Service, mit der die fünf häufigsten Abfallfraktionen aus Werkstätten und Tankstellen mit nur einer Anfahrt entsorgt werden können. Seither gab es mehrere Updates am Fahrzeug, darunter eine modernisierte Steuerungs- und Kontrolltechnik und eine erweiterte Transportkapazität.
Ein weiterer auch heute noch zentraler Service wurde 2010 eingeführt: Mit der Marke RESPRAY etablierte REMONDIS Industrie Service ein bundesweites System aus Abholservice und standardisiertem Behältersystem für Spraydosen. Die Spraydosenrecyclinganlage in Bramsche war zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre in Betrieb und wurde 2016 umfassend modernisiert. Einen besonderen Meilenstein erreichte RESPRAY im Jahr 2017, als das innovative Recyclingverfahren für Spraydosen für den Greentech Award nominiert wurde und es in der Kategorie „Recycling & Ressourcen“ unter die Top drei schaffte. Nach wie vor ist das Recycling von Spraydosen ein herausragendes Beispiel für die stoffliche Verwertung von gefährlichen Abfällen.
2011, zehn Jahre nach der Unternehmensgründung, konnten die angebotenen Dienstleistungen immer spezifischere Anforderungen im Umgang mit gefährlichen Abfällen erfüllen: Das Industrie-Recycling-Zentrum Bramsche erweiterte das Dienstleistungsspektrum in diesem Jahr durch die Behandlung von Abfällen der Spezialchemie und insbesondere von Gasen in Druckgasflaschen. Seitdem ist die sichere Entsorgung anspruchsvoller Abfälle wie beispielsweise Fluorwasserstoff am Standort möglich und erfüllt eine wichtige Funktion zum Schutz von Klima und Gesundheit.
Auch die REMONDIS QR erweiterte 2011 das Leistungsportfolio durch die Batteriesortierung. Das Ziel: Batteriegemische in einzelne Fraktionen zu sortieren, um diese der hauseigenen Batterieaufbereitungsanlage zuzuführen und so gleich mehrere Stoffkreisläufe zu schließen. 2013 etablierte sie außerdem die Kleinmengensammlung Plom B für Amalgamabfälle aus Zahnarztpraxen.
Innovationen, Internationalisierung und Kundennähe
Im Zuge der kontinuierlichen Weiterentwicklung der REMONDIS Industrie Service wuchs auch das Know-How im Umgang mit Sonderabfällen immer weiter und das Unternehmen etablierte sich als wichtiger Partner von Kommunen sowie Industrie- und Gewerbekunden. Ein Beispiel dafür ist die Niederlassung Ebersberg, die bereits Ende der 90er Jahre gegründet wurde und seitdem als Partner von mehreren Landkreisen die kommunale Schadstoffsammlung und die Kleinstmengensammlung, zum Beispiel aus Apotheken und Laboren, durchführt. Heute gehören mehrere hochmoderne SafetyTrucks zur Fahrzeugflotte des Standortes. Überdies ist der SafetyTruck nicht nur in Deutschland in der kommunalen Schadstoffsammlung im Einsatz, sondern seit 2015 auch in der Schweiz. Für die REMONDIS Schweiz AG wurde er zunächst im Kanton Schaffhausen eingesetzt – von Anfang an mit dem Ziel, das Angebot auf weitere Kantone auszuweiten.
2019 würdigte die Verleihung des Innovationspreis Gefahr/gut an RETRON die innovative Behälterlösung, die zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren maßgeblich zum sicheren Transport von Lithium-Ionen-Batterien beitrug. Einem Thema, das die Branche auch heute noch in Atem hält und das in Anbetracht der Energiewende immer relevanter wird.
Ein weiterer Meilenstein folgte 2023 mit der feierlichen Inbetriebnahme einer eigens entwickelten Iodrückgewinnungsanlage durch REMONDIS SAVA. Die Anlage ermöglicht es, Iod aus den Rauchgasen der thermischen Verwertung zu isolieren – ein Stoff, der zuvor im Filterstaub gebunden und unter Tage eingelagert wurde. Das innovative Verfahren trägt dazu bei, wertvolle Rohstoffe zurückzugewinnen und natürliche Ressourcen zu schonen.
Auch das internationale Geschäft der REMONDIS Industrie Service nahm an Relevanz zu. 2021 wurde der Neubau des Standortes der Tochtergesellschaft Luxembourg S.à r.l. in Foetz feierlich eröffnet, der sich heute als innovativer Knotenpunkt für die Behandlung zahlreicher Stoffströme auszeichnet. Seit 2025 betreibt REMONDIS Luxembourg beispielsweise eine eigene Solaranlage und setzt das erste vollelektrische Sammelfahrzeug Luxemburgs ein. Ein weiterer Schritt war der Start des operativen Geschäfts in Italien im Jahr 2024, wo REMONDIS Industrie Service seitdem einen eigenen Standort betreibt und bestehende Aktivitäten vor Ort weiter ausbaut.
Diese Entwicklung zeichnet das Bild eines Unternehmens, das einst mit mehreren hundert Mitarbeitenden begann, den sicheren Umgang mit Sonderabfällen aktiv zu gestalten und neue Maßstäbe zu setzen. Heute, 25 Jahre später, betreibt REMONDIS Industrie Service 283 Anlagen für gefährliche Abfälle, beschäftigt rund 4.400 Mitarbeitende – etwa zehnmal so viele wie zu Beginn – und verfügt über eine Flotte von mehr als 2.000 Fahrzeugen. Zahlreiche Eigenentwicklungen und innovative Ansätze prägen das Dienstleistungsportfolio und ermöglichen es, ein stetig wachsendes Kundenspektrum zu bedienen. Eine Entwicklung, die es verdient, gewürdigt zu werden.
Bildnachweis: REMONDIS, Rethmann-Archiv