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Studie: Recyclingrohstoffe essentiell für Rohstoffsicherheit und Industrieentwicklung

13.10.2026

Was als gefährlicher Abfall eingestuft wird, gilt in der öffentlichen Wahrnehmung selten als Rohstoffquelle. Dabei bergen viele Sonderabfallarten beachtliche Mengen strategisch relevanter Rohstoffe. Deren Rückgewinnung wird zum Teil, wo möglich und wirtschaftlich sinnvoll, bereits praktiziert. Angesichts des steigenden Bedarfs an kritischen und strategischen Rohstoffen durch den Ausbau von Zukunftstechnologien braucht es einen weiteren Ausbau dieses Sektors mit geeigneten Rahmenbedingungen. Eine aktuelle Studie zeigt nun, warum Recyclingrohstoffe – auch aus gefährlichen Abfällen – für die Importunabhängigkeit unverzichtbar sind und belegt dies mit Zahlen.


Kritische Rohstoffe, konzentrierte Märkte: Europas strukturelle Verwundbarkeit

Jahrzehntelang folgte die industrielle Produktion einer linearen Logik, in der es hauptsächlich darum ging, Rohstoffe zu fördern, zu verarbeiten, zu verbrauchen und später zu entsorgen. Solange diese günstig und in ausreichender Menge verfügbar waren, funktionierte das Modell. Heute zeigt sich jedoch seine Schwachstelle. Die Förderung und Verarbeitung kritischer Materialien wie Lithium, Kobalt oder Seltene Erden ist auf wenige Länder außerhalb Europas konzentriert und entsprechend begrenzt, was Risiken für Preisschwankungen und Versorgungssicherheit birgt. Das alledem bei steigendem Rohstoffbedarf an Kupfer, Lithium, Silber, Seltenen Erden oder auch Aluminium, beispielsweise durch den Ausbau von erneuerbaren Energien, Speichern und Netzen.

Die Europäische Union hat auf diese Lage reagiert und mit dem Aktionsplan für die Circular Economy von 2020 die Grundprinzipien der Kreislaufwirtschaft in Produkt- und Industriepolitik verankert – von der Ökodesign-Verordnung über die EU-Batterieverordnung bis zur Altfahrzeugverordnung. Am 3. Juni 2026 verabschiedete das Bundeskabinett das Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). Ein Programm mit konkreten Maßnahmen, auf die die Branche große Hoffnungen legt. Untermauernde und belastbare Zahlen für die Schlüsselrolle der Kreislaufführung von Stoffen liefert nun eine aktuelle Studie.

Kreislaufwirtschaft kann Rohstoffe sichern und Importe verringern

Die im Mai 2026 veröffentlichte und bereits auf der IFAT in München viel besprochene Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz“ der Boston Consulting Group (BCG) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zeigt verschiedene Potenziale. In Zusammenarbeit mit 13 Unternehmen und Verbänden wurden fünf Segmente analysiert, die zusammen 62 Prozent der nationalen Wertschöpfung abdecken. Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil.

Laut Studie könnte sich die Bruttowertschöpfung der Circular Economy bis 2045 von heute 60 auf bis zu 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln – und das ohne tiefgreifende staatliche Eingriffe, sondern auf Basis von Geschäftsmodellen, die bereits heute wirtschaftlich tragfähig sind oder es bis 2045 werden können.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Recycling, Wiederverwendung und Remanufacturing könnten bis 2045 rund 20 bis 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Besonders relevant ist das bei kritischen Materialien: 60.000 Tonnen jährlich importierter Industriemetalle wie Lithium, Nickel, Mangan, Kobalt, Silber und Seltene Erden könnten durch Recyclingrohstoffe in Deutschland ersetzt werden. Die Importquoten bei Seltenen Erden ließen sich um 20 Prozent, die von Batteriematerialien um 10 Prozent senken.

Für die Praxis der Sonderabfallbehandlung ist die Studie von BDI und BCG aufschlussreich. Sie zeigt, dass Rezyklate einen messbaren Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Die Zahlen zu Importquoten, Tonnagen und Wertschöpfungspotenzialen sind methodisch unterlegt und belegbar.

Beispiel Schwarzmasse: Wie Batterierecycling strategische Rohstoffe zurückgewinnt

Exemplarisch für die Rückgewinnung strategischer Rohstoffe aus Sonderabfällen ist das Recycling von Lithium-Ionen-Akkus. Nach dem beispielsweise von REMONDIS Industrie Service durchgeführten Dismantling und der mechanischen Aufbereitung der Batterien entsteht die sogenannte Schwarzmasse. Dabei handelt es sich um ein pulverartiges Gemisch aus Graphit, Metalloxiden und weiteren Rückständen aus Batterien. Schwarzmasse enthält zwar wertvolle Metalle wie Lithium, Kobalt und Nickel, wird aufgrund der enthaltenen Chemikalien jedoch als gefährlicher Abfall eingestuft. Nur wenige Unternehmen in Europa stellen Schwarzmasse her oder gewinnen die enthaltenen Metalle zurück.

Die strenge Einstufung als gefährlicher Abfall hat neben der stofflichen auch eine wirtschaftspolitische Dimension, denn gefährlicher Abfall aus der EU darf nicht mehr in Nicht-OECD-Staaten verbracht werden. Schwarzmasse darf etwa nach China nicht mehr exportiert werden. Die EU hält auf diesem Weg jene Rohstoffe im Binnenmarkt, die laut BCG/BDI-Studie über Recycling zurückgewonnen werden könnten, um die Abhängigkeit von Lithium- und anderen Metallimporten spürbar zu senken. Hier wird deutlich, wie regulatorische und wirtschaftliche Interessen beim Thema Rohstoffresilienz zusammenfallen.

Weiteres Beispiel: Iod-Recycling für die Chemiebranche

Ein anderes Recyclingbeispiel setzt bei der thermischen Sonderabfallverbrennung an: Seit dem Frühjahr 2023 ist am Standort Brunsbüttel eine Iod-Recyclinganlage von REMONDIS SAVA, einer Tochtergesellschaft von REMONDIS Industrie Service, in Betrieb. Aus dem Filterstaub der Rauchgasreinigung wird hier Iod für chemische Prozesse zurückgewonnen, das sonst dauerhaft verloren gegangen wäre.

Für die deutsche Industrie ist das mehr als eine technische Randnotiz – vorausgesetzt, solche Rückgewinnungswege werden konsequent ausgebaut. Iod steht stellvertretend für viele Rohstoffe, die in Abfallströmen enthalten sind, aber bislang kaum im Fokus der öffentlichen Debatte um Rohstoffsicherheit stehen.

Entsorgungsbranche als wichtiger Akteur für die Sicherung von Rohstoffen

Sonderabfälle, ob sie bei industriellen Prozessen oder im Haushalt anfallen, enthalten wertvolle Rohstoffe, die sich zurückgewinnen lassen. Europa braucht diese, um die eigene Abhängigkeit von Importen zu verringern. Als spezialisiertes Entsorgungsunternehmen positioniert sich REMONDIS Industrie Service an der Schnittstelle zwischen den Betrieben, die Sonderabfälle erzeugen, den Verwertungsprozessen, in denen diese wieder zu nutzbaren Rohstoffen werden, und der Politik, die für die Rahmenbedingungen eines wirtschaftlichen Recyclings Verantwortung trägt.

Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Entwicklung des Industriestandorts

Die BCG/BDI-Studie ist damit nicht nur ein Argument für Investitionen, Regulierung und industriellen Wandel. Sie belegt auch etwas, das selten so klar formuliert wird: Die Entsorgungswirtschaft ist ein aktiver Teil der Rohstoffversorgung. Expertinnen und Experten fordern deshalb: Rezyklateinsätze müssen zur Normalität werden. Sie sind fundamental für die wirtschaftliche Resilienz Deutschlands und Europas.

Quellen:

  • BDI: Rohstoff-Resilienz: Wie Zirkularität Deutschlands Industrie stärkt. Link
  • BDI: Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. Link
  • Recycling Magazin: Resilienz, Unabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit. Link
  • REMONDIS SAVA: Wir gewinnen bei der thermischen Behandlung von gefährlichen Abfällen […] zurückzuführen. Link

Bildnachweis: REMONDIS


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