Herstellung von Bio-Kerosin aus Abfallstoffen
09.06.2026
Bio-Kerosin und andere nachhaltige Flugzeugkraftstoffe (SAF) sollen den Flugverkehr klimafreundlicher machen. Momentan sind sie jedoch noch zu teuer, um wirklich mit fossilen Treibstoffen konkurrieren zu können. Neue Entwicklungen in der Herstellung flugtauglicher Kraftstoffe aus Abfällen könnten biogenen Kerosinalternativen nun womöglich zum Durchbruch verhelfen. Damit würde die Kreislaufwirtschaft zugleich als wichtiger Rohstofflieferant weiter zur Unabhängigkeit von globalen Lieferketten beitragen.
Klimafreundlicher Flugverkehr durch Bratfett, Biomasse und Bakterien
Bio-Kerosine (auch biogene SAF) werden aktuell in verschiedenen Verfahren hergestellt. Ihnen gemein ist die Nutzung von biogenen Abfallstoffen als Ausgangsmaterial – wobei auch diese je nach Herstellungsverfahren variieren. Neben Bio-Kerosin gibt es noch eine weitere Art von SAF: die sogenannten E-Fuels. Diese werden jedoch nicht aus Abfall, sondern in einem Power-to-Liquid-Verfahren aus CO2 und grünem Wasserstoff (aus erneuerbaren Energiequellen) hergestellt.
Zu den Herstellungsverfahren für Bio-Kerosin gehören insbesondere die folgenden drei:
- HEFA (Hydroprocessed Esters and Fatty Acids)
- Fischer-Tropsch (FT)
- Alcohol-to-Jet (AtJ)
„Die Kreislaufwirtschaft bietet oft Lösungen, wo man sie vielleicht am wenigsten erwartet. So stammt ein Teil des heutzutage verwendeten Flugzeugtreibstoffs praktisch aus der Gastronomie. Die Grundstoffe für dieses Bio-Kerosin gewinnen wir über unseren Fettabscheiderservice.“
Sven Meinecke, Leitung Key-Account REMONDIS Industrie Service
Herstellungsverfahren für Bio-Kerosin im Detail
HEFA (Hydroprocessed Esters and Fatty Acids)
Momentan wird das meiste Bio-Kerosin noch im HEFA-Verfahren hergestellt. Dabei werden Ester und Fettsäuren aus gebrauchten Speiseölen, tierischen Fetten oder Pflanzenölen hydriert und anschließend isomerisiert. REMONDIS Industrie Service gewinnt die entsprechenden Rohstoffe unter anderem über seinen Fettabscheiderservice. HEFA ist aktuell noch das günstigste Produktionsverfahren für Bio-Kerosin, da es dem herkömmlichen Raffinieren von Mineralöl ähnelt. Bereits vorhandene Anlagen können dementsprechend weiter genutzt werden.
Fischer-Tropsch (FT)
Die Fischer-Tropsch-Methode wird bereits seit mehr als hundert Jahren zur Herstellung von Treibstoffen aus Kohle verwendet. Bei diesem Verfahren wird ein Synthesegas unter Temperaturen zwischen 150 und 350 Grad Celsius sowie hohem Druck zu flüssigen Kohlenwasserstoffen (wie Kerosin) umgewandelt. Als Quelle für das benötigte Gas eignen sich allerdings auch Biomasse wie Klärschlamm, Holz oder Siedlungsabfälle. Die Nutzung des Verfahrens zur SAF-Produktion wird aktuell unter anderem an der TU Darmstadt im Rahmen des EU-Forschungsprojekts CARBIOW erforscht und weiterentwickelt.
Alcohol-to-Jet (AtJ)
Wie der Name bereits vermuten lässt, werden beim Alcohol-to-Jet-Verfahren Alkohole zur Herstellung von Flugzeugtreibstoffen verwendet. Die Produktion des Alkohols übernehmen dabei in der Regel Mikroben durch Fermentation von zucker- oder stärkehaltiger Biomasse. Letztere fällt insbesondere in der Landwirtschaft regelmäßig als Abfallstoff an. Bislang fristete die vergleichsweise aufwendige Methode eher ein Nischendasein in der SAF-Produktion. Dies könnten jedoch gleich zwei technologische Durchbrüche womöglich bald ändern.
Durchbrüche beim AtJ-Verfahren
Einem Forschungsteam des Lawrence Berkeley National Laboratory ist es vor Kurzem mithilfe von Robotik und KI gelungen, die Entwicklung der „perfekten Mikrobe“ zur Alkoholherstellung um ein Vielfaches zu beschleunigen. Das Forschungsteam nutzte dabei Roboter, die innerhalb einer Minute mehrere Hundert genetische Varianten einer Zelle erzeugten – eine Arbeit, die sonst Wochen benötigt hätte. Zugleich wurden die Ergebnisse mithilfe von KI systematisch erfasst und analysiert. Darüber hinaus haben es die Forscherinnen und Forscher geschafft, eine Art zellinterner Alkoholsensoren des Bakteriums Pseudomonas putida so zu nutzen, dass nur besonders effiziente Zellen wachsen dürfen. Damit ließ sich die Alkoholproduktion der Mikroben um das 36-Fache steigern.
Kreislaufwirtschaft als Rohstofflieferant für SAF
SAF wie Bio-Kerosin bilden nicht nur die Grundlage für klimafreundlicheren Flugverkehr. Die aktuellen Unsicherheiten auf den Energiemärkten verdeutlichen zugleich, wie wichtig alternative Kraftstoffe für die Unabhängigkeit von globalen Lieferketten sind. Wie bei vielen anderen Rohstoffen spielt auch hier die Kreislaufwirtschaft mit Entsorgungs- und Recyclingunternehmen wie REMONDIS Industrie Service eine tragende Rolle.
Warum SAF klimafreundlicher sind
Bei der Nutzung von SAF entstehen – über den gesamten Lebenszyklus des Treibstoffs betrachtet – zwischen 50 und 90 Prozent weniger CO2-Emissionen als bei herkömmlichem Kerosin. Der tatsächliche Unterschied hängt von mehreren Faktoren ab, etwa von der Rohstoffquelle der zur Herstellung benötigten Energie und den anfallenden Nebenprodukten. Problematisch sind aktuell vor allem die hohen Preise: SAF sind derzeit drei- bis fünfmal teurer als fossiles Kerosin. Zum anderen lässt sich durch Abfallstoffe allein der globale Kerosinbedarf nicht decken.
Quellen:
- FOCUS Online: Synthetischer Flugkraftstoff dank KI. Link
- ScienceDirect: A review on sustainable aviation fuel production via diverse biomass and waste-derived feedstocks […]. Link
- TU Darmstadt: Durchstarten mit Bio-Abfall. Link
- Deutschlandfunk: Warum Kerosin so schwer zu ersetzen ist. Link
- Aerospace Global News: HEFA, Fischer-Tropsch, Alcohol-to-Jet, eSAF: Sustainable aviation fuel production pathways explained. Link
- CENA Hessen: SAF-Arten und Produktionsrouten. Link
- AB PDU: Microbial Heterogeneity and Imaging. Link
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