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Thermische Verwertung von Sonderabfällen nach hohen Standards

Die Sonderabfallverbrennungsanlage von REMONDIS SAVA leistet in Brunsbüttel einen wichtigen Beitrag zur sicheren thermischen Behandlung gefährlicher Abfälle. Mit einer der modernsten Anlagen Europas für Sonderabfälle ist das Unternehmen damit richtungsweisend in Sachen Umweltschutz und technischer Entwicklung. Die Reinigung von Rauchgas spielt dabei eine ganz besondere Rolle. Geschäftsführer Dr. Martin Kemmler gewährt einen Einblick in die Welt der thermischen Abfallverwertung.

REMONDIS SAVA betreibt in Brunsbüttel eine Sonderabfallverbrennungsanlage. Welche Abfälle kommen in der Anlage an und in welchen Mengen?
In unserer Hochtemperaturverbrennungsanlage in Brunsbüttel kommen kontinuierlich gefährliche Abfälle aus Industrie und Kommunen sowie Altlasten an. Das können bspw. Chemikalien, Pestizide und Herbizide sein. Pharmazeutische und infektiöse Abfälle aus Krankenhäusern und Laboren sind ebenso in den Anlieferungen dabei. Die Abfälle treffen in unterschiedlichen Aggregatzuständen bei uns ein: Feste Abfälle in loser Schüttung, staubförmige Gemische oder auch flüssige und pastöse Abfälle finden ihren Weg in die Anlage. Nicht zuletzt behandeln wir reaktive Abfälle und PCBhaltige Öle, also polychlorierte Biphenyle. 


Die Kapazität der Anlage beläuft sich auf bis zu 55.000 t pro Jahr. Diese begrenzte Menge ergibt sich jedoch aus der Verfügbarkeit der Anlage und der Zusammensetzung des angelieferten Abfalls.

Welche Gefahr- und Schadstoffe befinden sich im angelieferten Abfall?

Die Abfälle, die bei uns ankommen, sind zumeist mit gefährlichen Substanzen versetzt. Von giftigen Stoffen wie Chemikalien und Pestiziden über kontaminierte Stoffe aus Böden, Verpackungsmaterial oder Fässern bis hin zu reaktiven Stoffen, wie z. B. Oxidationsmittel oder Monomere, ist alles dabei. Daher gelten für den Betrieb unserer Anlage zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen – nicht nur aus technischer Sicht, sondern auch in Bezug auf den Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Ein Schwerpunkt der REMONDIS SAVA ist die Reinigung von Rauchgas. Wie funktioniert das und welche Vorteile hat das System, das hierfür angewendet wird?

Die Hochtemperaturverbrennungsanlage stellt ein komplexes System aus unterschiedlichen Prozessstationen dar. Der eigentlichen Verbrennung sind ein Gebinde- und ein Tanklager vorangestellt. Hier werden die Abfälle zunächst bspw. in Kleincontainern oder Gebinden aufbewahrt und für die thermische Behandlung vorbereitet. Im Drehrohrofen, dem Herzstück der Anlage, werden die im Abfall enthaltenen Schadstoffe in umweltneutrale Stoffe umgewandelt. Dies geschieht mithilfe einer für den Abfallstoff ausreichenden Verbrennungstemperatur, die jedoch mindestens 1.100 °C betragen muss. Die dabei entstehenden Emissionen werden kontinuierlich gemessen und sie liegen dauerhaft mehr als deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten. Während der Verbrennung kommen die Abfälle durch langsame Rotation zum Ende des Drehrohrs. Die Nachbrennkammer sorgt dann für die Zerstörung aller organischen Substanzen. Die nachfolgenden Stationen dienen u. a. der Filterung von Stäuben, der Absorption von Schwermetallen oder der Stromerzeugung.

Eine zentrale Aufgabe zum Schutz der Umwelt ist auch die Sicherheit des Grundwassers. Diese wird mithilfe einer Untergrundversiegelung gewährleistet, die sich auf alle Anlagenteile erstreckt. Die Verbrennungsanlage selbst benötigt kein Abwasser für ihren Betrieb. Ein übergreifendes Abluftsystem trägt außerdem zur Vermeidung von Geruchsemissionen bei.

Mit welchen Herausforderungen ist die Rauchgasreinigung verbunden?

Die größte Herausforderung bei der Reinigung von Rauchgas besteht in der Einhaltung unserer Emissionsgrenzwerte gegenüber der 17. Bundes-Immissionsschutzverordnung (17. BImSchV). Dies setzt eine sehr detaillierte und fein abgestimmte Menüsteuerung voraus. Abfallmengen und - qualitäten gelangen in die Verbrennungsanlage und damit einhergehend müssen entsprechende Zeiteinheiten abgestimmt werden.

Welche rechtlichen Vorschriften sind bei der Reinigung von Rauchgas zu beachten?

Bei der siebenstufigen Rauchgasreinigung ist vor allem die 17. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (17. BImSchV) zu berücksichtigen. Die bei der Genehmigung vorgegebenen Emissionsgrenzwerte für die SAVA müssen daher stets eingehalten und überprüft werden. Kontinuierlich gemessen werden u. a. Werte für Staub, Kohlenstoffmonoxid (CO), Stickstoffoxide (NOx), Schwefeloxide (SOx), Chlorwasserstoff (HCl) und Quecksilber (Hg). Diskontinuierlich werden die Werte für Fluorwasserstoff (HF), Schwermetalle, Dioxine, Furane und Benzo(a)pyren kontrolliert.

Eine Sonderabfallverbrennungsanlage ist in der öffentlichen Wahrnehmung meist mit kritischen Bedenken versehen. Wann und wie kam es zur Errichtung der Anlage und mit welchen Hürden sah sich REMONDIS SAVA konfrontiert?

Mit Gründung des Unternehmens und Planung der Verbrennungsanlage bildete sich schnell eine Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Bau der SAVA zu verhindern. Nachdem Anfang der 1990er Jahre der Genehmigungsantrag behördlich bearbeitet wurde, kam es schließlich zu einer Klage gegen die SAVA. Die Bürgerinitiative und die Unternehmensführung der SAVA (damals ein Joint Venture aus 66,6 % RWE und 33,3 % E.ON) einigten sich daraufhin jedoch außergerichtlich: SAVA verpflichtete sich dazu bei den meisten der kontinuierlich gemessenen Parameter um die Hälfte verminderte Emissionsgrenzwerte, im Verhältnis zu den Vorschriften der 17. BImSchV, einzuhalten. REMONDIS SAVA kann dies bis heute gewährleisten und ist damit die weltweit einzige Hochtemperaturverbrennungsanlage mit derartig niedrigen Emissionsgrenzwerten.

Die Bürgerinitiative verhandelte außerdem, dass ihre Vertreter bei der jährlichen diskontinuierlichen Messung (im wesentlichen Schwermetalle, Dioxine und Furane) anwesend sein dürfen, um die Einhaltung der Grenzwerte zu beobachten. Im Anschluss einer jeden Messung ging REMONDIS SAVA mit den Vertretern dazu ins Gespräch. Dieses Prozedere wurde jahrelang durchgeführt und sorgte mehr und mehr für Akzeptanz durch die Bürgerinitiative. Die SAVA ist eine technisch hervorragende Anlage, die nach dem gläsernen Prinzip arbeitet, indem sie Einsicht in die geforderten Unterlagen gewährt. Inzwischen hat sich die Bürgerinitiative aufgelöst und es finden keine Beaufsichtigungen mehr statt. Freundschaftliche Kontakte zu den ehemaligen Mitgliedern bestehen weiterhin und so wurde eine Erfolgsstory geschrieben, die durch Ehrlichkeit und Transparenz in Verbindung mit hochmoderner Technik und guter Unternehmensführung möglich wurde.

Inwieweit spielt das Thema Nachhaltigkeit bei REMONDIS SAVA eine Rolle? (z. B. Recycling, Rohstoffrückgewinnung)

Nachhaltigkeit spielt in Wirtschaft und Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle, natürlich auch in der REMONDIS Gruppe und letztlich bei der REMONDIS SAVA GmbH. Seit der offiziellen Inbetriebnahme der Verbrennungsanlage im Jahr 1997 wird die Verbrennungswärme durch Verstromung des Dampfes über eine Turbine genutzt. Ein Teil der erzeugten elektrischen Energie wird in das Netz eingespeist, der andere Teil wird selbst genutzt. Weiterhin wird Stahlschrott aus der Verbrennungsasche mittels Magneten abgeschieden. Beide Produkte werden zur Wiederverwendung angeboten.Zudem hat REMONDIS SAVA eine Vielzahl an Altlastensanierungen in Europa, Afrika und Asien durchgeführt. Ziel ist die Eliminierung und die umweltgerechte Beseitigung von gefährlichen Stoffen, darunter auch POP-Stoffe (Persistent Organic Pollutants), die sich in der Biosphäre nicht abbauen und nur thermisch endbehandelt werden können.In den letzten fünf Jahren entwickelte REMONDIS SAVA in Zusammenarbeit mit einem Partnerunternehmen ein Verfahren, das es ermöglicht, Iod aus dem Rauchgas der Verbrennungsanlage zu extrahieren und aufzukonzentrieren, um es dann als Sekundärrohstoff der chemischen Industrie zur Verfügung zu stellen. Diese Idealform der stofflichen Verwertung im Sinne der Kreislaufwirtschaft wurde bereits in einer Pilotanlage im Werk realisiert. Nun soll das Verfahren auch in die Praxis umgesetzt werden. Aus diesem Grund befinden wir uns gerade in der Planung einer Iod-Rückgewinnungsanlage, die bei kontinuierlichem Betrieb eine Menge von 30.000 bis 50.000 kg Iod aus Abfällen zurückgewinnen soll. Wir rechnen damit, dass die Inbetriebnahme der Anlage noch nächstes Jahr (2021) erfolgen wird. Das Land Schleswig-Holstein fördert das Vorhaben der REMONDIS SAVA GmbH. Iod ist ein essentielles Element, das z. B. in der Chemie, Pharmazie und in der Landwirtschaft (Futtermittelzusatz) benötigt wird.

Vielen Dank für das Gespräch! Sie haben Fragen zu dem Thema?

Dr. Martin Kemmler
T +49 4852 83 08 62  
F +49 4852 83 08 12
E-Mail 
www.remondis-sava.de

 


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