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Scrubber, Sludge und Bilgen: Schiffsentsorgung im Kieler Hafen

Wenn Kreuzfahrtschiffe im Kieler Hafen einlaufen, geht es bei der Schiffsentsorgung vor allem um das Absaugen von flüssigen gefährlichen Abfällen. Scrubberwasser, Sludge und Bilgenwasser müssen in großen Mengen zügig und sicher von Wasser auf Land übernommen, in einer speziellen Aufbereitungsanlage recycelt und umweltbelastende Rückstände entsorgt werden. Die REMONDIS Niederlassung Klausdorf (Schleswig-Holstein) ist hierfür Spezialistin vor Ort und ihr Niederlassungsleiter Timo Becker als studierter Marine-Biotechnologe kompetenter Gesprächspartner.

Die REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG betreibt in Klausdorf einen Standort ganz in der Nähe des Kieler Hafens. Welche Dienstleistungen und Entsorgungsaufgaben bietet Ihre Niederlassung an?

Wir übernehmen hier am Standort flüssige gefährliche Abfälle, dies aber in größerem Maßstab. Was die Mengen betrifft, denken wir in Dimensionen von ganzen Saugwagenladungen. Möchte ein Abfallerzeuger flüssige Abfälle abgeben, dann kommen wir oder der Kunden liefert selbst an. Zu unserem Auftraggebern gehören Industrie und Gewerbe in Schleswig Holstein. Auch im Kieler Hafen sind wir aktiv und haben Kunden, u.a. bei den ansässigen Reedereien, gefunden. Unser Abfallspektrum umfasst z.B. Spülwässer aus industriellen Prozessen oder Tankreinigungen, Emulsionen, Altöle und Abfälle aus Öl-Abscheidern von Tankstellen oder Waschplätzen. Die Abscheider warten und reinigen wir regelmäßig und entsorgen das Wasser mit Öl-Anteilen und die Schlämme fachgerecht. Auch Abfälle mit saurem oder basischem Charakter können wir behandeln und neutralisieren. Abfälle in Gebinden, wie Kanister und Fässern mit Lösemittel, Spülflüssigkeiten, Laugen und Seifen übernimmt unser Schwesterstandort in Lübeck.

Ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit spielt sich am Kieler Hafen ab. Wofür ist REMONDIS hier zuständig?

Am Kieler Hafen kümmern wir uns vorrangig um die gefährlichen flüssigen Abfälle von ganz unterschiedlichen Schiffen, hier fallen Scrubberwasser, Bilgenwasser und Sludge an. Vor allem von Fähren und Kreuzfahrtschiffen. Diese Entsorgungen müssen teils auch kurzfristig auf Abruf erfolgen. Wenn größere Touren von Kreuzfahrtschiffen planmäßig wieder in Kiel enden, kann so ein Schiff mit einem Mal schon 100 bis 200 Kubikmeter flüssige Abfälle abgeben. Neben der Schiffsentsorgung können wir aber jederzeit auch einen Havariedienst für den Hafen gewährleisten.

Nicht viele Unternehmen bieten die Behandlung von Abfällen, die durch Kreuzfahrtschiffe verursacht werden, an. Was genau qualifiziert REMONDIS für diese komplexe Aufgabe?

Als Entsorgungsfachbetrieb leisten wir den kompletten Service rund um die Entsorgung von flüssigen Abfällen - wir übernehmen die einwandfreie Abholung, den sicheren Transport und die ordnungsgemäße Entsorgung und Aufbereitung. Unsere Anlage ist eine der leistungsstärksten für diese Mengen hier im Norden. Wir haben einen großen Fuhrpark mit modernen Saugwagen inklusive Wasserkammer und Hochdruckpumpe. Auch Gefahrguttransporte können wir durchführen. Manchmal holen wir innerhalb eines Auftrags 200 Kubikmeter ab, das sind dann zehn Lkws auf einmal, die unseren Entsorgungshof gemeinsam verlassen – so einen Fuhrpark hat nicht jeder. Die Logistik und die Flexibilität ist bei uns sicherlich ein überzeugender Faktor für unsere Kunden.

Scrubberabwasser ist Abwasser, das durch Rauchgasentschwefelung auf Kreuzfahrtschiffen entsteht. Warum ist eine Rauchgasentschwefelung überhaupt notwendig?

Kreuzfahrtschiffe fahren bekanntermaßen mit einem Gemisch aus Schweröl und Diesel als Treibstoff. Bei der Verbrennung von diesen fossilen Brennstoffen entsteht Rauchgas. Rauchgas ist - wie der Name schon sagt - gasförmig und besteht vor allem aus Kohlendioxid, Stickstoff, Schwefeldioxid, Stickoxiden und Wasserdampf, versetzt mit Flugasche und Ruß. Damit das giftige Schwefeldioxid, welches freigesetzt in die Atmosphäre z.B. für sauren Regen verantwortlich ist, nicht in die Umwelt gelangt, muss es gleich auf den Kreuzfahrtschiffen aus dem Rauchgas entfernt werden. Die Entschwefelungsanlage – der sogenannte Scrubber – senkt die Schwefeldioxid-Emissionen signifikant. Das Waschwasser, mit dem die Schadstoffe herausgefiltert werden, nennt man Scrubberwasser. Dieses wird dann in unserer chemisch-physikalischen Behandlungsanlage verarbeitet. Schadstoffe werden in diesem Prozess aus der wässrigen Phase entfernt und die Rückstände entsorgt.

Ein Praxis-Beispiel: Ein Kreuzfahrtschiff hat Scrubberabwasser zu entsorgen. Was ist zu tun, wie geht REMONDIS vor und welche Herausforderung hält das bereit?

Zunächst kommt bei uns ein Anruf oder E-Mail in der Disposition herein und es wird mit der zuständigen Stelle geklärt: Welches Schiff hat wie viel (Menge) von welchen Abfallarten zu welchem Zeitpunkt im Kieler Hafen abzugeben? Alle Schiffe sind dabei ans MARPOL-Abkommen gebunden. Sind die Eckdaten des Auftrags geklärt, koordiniert unsere Disposition den Einsatz und Fahrzeuge und erzeugt die abfallrechtlich relevanten Dokumente. Das geht sehr schnell bei uns, so dass wir mit unseren Saugwagen um die vereinbarte Uhrzeit am Leistungsort im Hafen eintreffen. Sind die Schläuche gelegt, beginnen unsere Mitarbeiter mit der Absaugung der flüssigen Abfälle. Dies geschieht immer von der Landseite. Unter anderem Durchmesser der Zuflussleitungen und die Temperatur des Mediums entscheiden über die Dauer des Absaugvorgangs. Sind die Abfälle übernommen, transportieren wir diese in unsere chemischphysikalische Behandlungsanlage, verwiegen sie, dokumentieren die Übernahme als Entsorger. 

Was passiert dann in der Aufbereitungsanlage?

Welches Verfahren wir anwenden, hängt immer vom Abfallstrom ab. Stets gilt aber: Wir bereiten den wässrigen Anteil, der mit Schadstoffen belasteten Abfälle soweit auf, dass wir dem hintergelagerten Klärwerk Kiel diesen als Abwasser einleiten dürfen. Die Einhaltung der Einleitkriterien des Klärwerkes wird überwacht. Da sich die gefährlichen Anteile im Abfall, wie z.B. Schwermetalle oft in gelöster Form im Wasser befinden, ist es unsere Aufgabe, diese in eine ungelöste Form zu überführen. Die Löslichkeit der Stoffe ist abhängig vom pH-Wert. Mit Veränderung des pH-Werts und Zugabe von Betriebsstoffe, wie u.a. Flockungshilfsmittel, lassen sich die gelösten Stoffe in eine unlösliche Form überführen, so dass die Materialien ausfallen und sich in Feststoff (z.B. Schlamm) manifestieren. Ein klassischer Prozess, genannt Fällung und Flockung. Ein Beispiel von den Kreuzfahrtschiffen: In den Nassreiniger an Board wird das Rauchgas eingeleitet und der Schwefel mit Natronlauge-Lösung gebunden. Ist das Scrubberwasser dann in unserer Anlage, geben wir u.a. Kalkmilch dazu und binden den Schwefel. Es entsteht Gipsschlamm, der durch unsere Mitarbeiter entwässert wird und dann in Verbrennungsanlagen entsorgt wird. Bei den Abfallströmen Sludge und Bilgenwasser wird der wässrige Anteil weitmöglichst reduziert, um das Öl in einer hohen Qualität zurückzugewinnen. 

Mit dem Entsorgungsauftrag für zwei große Kreuzfahrtgesellschaften übernimmt die REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG große Verantwortung. Worin liegt diese begründet?

Was das heißt, kann man sich vorstellen, wenn man schon mal ein 300m langes Kreuzfahrtschiff gesehen hat. Diese Giganten melden, nach ihren ausgedehnten Fahrten über die Meere, oft große Mengen an Abfällen zur Entsorgung an, die schnell und flexibel entsorgt werden müssen. Manchmal sind das 200 Kubikmeter am Tag. Die Schiffe haben straffe Zeitpläne, nach denen wir uns richten müssen. 27 Mitarbeiter in unserer Niederlassung kümmern sich um Entsorgungsanfragen und die Abwicklung. Direkt vor Ort im Hafen haben wir immer circa einen Tag zur Schiffsentsorgung. Während ihres Aufenthaltes im Hafen, werden die Schiffe aber auch von anderern Versorgern angefahren, die Betankungen durchführen oder die Schiffe mit Gütern beladen. Absprachen und ein tolerantes Miteinander sind hier gefragt. Durch die langjährige Erfahrung unserer Mitarbeiter in diesem Geschäftsbereich, ist eine professionelle und vor allem schnelle Abwicklung der Entsorgung, in Zusammenarbeit mit den Crews der Schiffe, zu jeder Zeit gewährleistet.

Inwieweit spielt das Thema Nachhaltigkeit bei der Entsorgung durch REMONDIS am Kieler Hafen eine Rolle?

Selbstverständlich spielt die Nachhaltigkeit bei unserer Entsorgung im Kieler Hafen eine bedeutende Rolle. Die Recylingfähigkeit ist immer abhängig von den Qualitäten der Abfallströme. Im Bereich der Schiffahrt entsorgen wir hauptsächlich Bilgenwasser, Sludge und Scrubber. Wir bei REMONDIS stellen uns immer die Frage: Was können wir gemäß § 7 des  Kreislaufwirtschaftsgesetzes wieder verwerten? Eine Menge Wasser gewinnen wir wir durch die chemisch-physikalische Behandlung zurück und das abgetrennte Öl kann in Anlagen zur Ölaufbereitung verbracht werden, wo es als Ersatzbrennstoff oder als Basis für Recyclingprodukte genutzt werden kann. Alle Schadstoffe werden als Schlamm komprimiert und selbst mit diesem, wird in Verbrennungsanlagen Strom und Wärme produziert. Viele moderne Kreuzfahrtschiffe verfügen heutzutage über Scrubbersysteme an Board und das ist schon ein Riesenschritt im Gegensatz zu früher. Derzeit forscht die Industrie an alternativem Treibstoff für die Branche – ein wichtiges, spannendes Thema für die Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ansprechpartner bei Fragen zum Thema:
Timo Becker
T +49 431 2008693 - 11
F + 49 431 2008693 - 18


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