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Standorte REMONDIS Industrie Service


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Herstellung und Abfüllung von lösemittelbasierten Produkten für die Industrie

Verunreinigte Lösemittel müssen als gefährliche Abfälle entsorgt werden. Die REMONDIS Industrie Service sorgt aber nicht nur für die fachgerechte Abholung und das Recycling von lösemittelhaltigen Flüssigkeiten, sondern hat mit Staufen-Chemie einen Spezialbereich, der zu den Marktführern für die Abfüllung von Verdünnern, Reinigern oder Renovierungsprodukten gehört und auf die Mischung und Abfüllung eigener Produkte und Auftragsfertigung spezialisiert ist. Wie die Produktionsstätte in Erfurt arbeitet und welche nachhaltigen Ideen derzeit entwickelt werden, berichtet Jan Schlick, Niederlassungsleiter von Staufen-Chemie.

1. Welche Aufgaben haben Sie hier am Standort und wer sind die Hauptkunden von Staufen-Chemie?

Seit März 2020 bin ich Niederlassungsleiter hier in Erfurt, und auch am Standort in Hattenhofen in Baden-Württemberg. Ich kümmere mich vor allem um den Einkauf, alle Strukturen, welche die Produktion betreffen sowie die kaufmännische Administration. Unsere Hauptkunden sind zum einen Farb- und Lackhersteller, die verschiedene Lösemittel als Zusatz für ihre Produkte anbieten und zum anderen Zwischenhändler für den Einzelhandel, beispielsweise den Baumarkt, die wir in dem Fall beliefern. Aber auch Großhändler für Lacke und Farben, Industriekunden sowie Lackierwerkstätten gehören zu unserem Kundenkreis.

2. Welche Produkte werden hergestellt und welche hier ausschließlich abgefüllt?

Wir füllen vornehmlich verschiedene Lösemittel wie Aceton, zahlreiche Testbenzine, Spezialbenzine ab, aber auch wässrige Reiniger, die bspw. im Werkstättenbereich zur Säuberung der Werkzeuge eingesetzt werden. Außerdem können wir das auch mit Ethanol und anderen Alkoholen, die z. B. als Brennpaste oder in Ethanolhöfen zum Einsatz kommen. Hier sind wir übrigens gerade dabei, eine neue Rezeptur für die Brennpaste zu entwickeln. In diesem Fall ist es ein Zusammenmischen verschiedener Einsatzstoffe – das ist immer unser Prinzip. Im Endeffekt sind wir ein Abfüller, der in dem Fall mischt – kein Produzent. Wir fügen die unterschiedlichen Inhaltsstoffe nach einer bestimmten kundenspezifischen Rezeptur zusammen.

3. Staufen-Chemie ist demnach spezialisiert auf die Abfüllung von Lösemitteln, vom industriellen Lösemittel bis zum Bio-Anzünder für den Hausgebrauch. Wie passt das zur REMONDIS-Welt der Entsorgung?

Wir füllen die Lösemittel in der Regel als Reinstoff ab oder je nach Kundenbedürfnissen auch als Gemisch aus verschiedenen Substanzen, sodass wir hier zwischen zwei und sechs Inhaltsstoffe zusammenführen und abfüllen. Wir haben mit RESOLVE  zwei Standorte in Braunschweig und Willstätt, wo verunreinigte Lösungsmittel destilliert und Fremdstoffe aus dem Lösemittel wieder entfernt werden (näheres hierzu unter https://www.sonderabfall-wissen.de/interviews/einsatz-von-destillaten-schon-ressourcen-und-spart-co2/). Als Fremdstoffe bezeichnen wir übrigens Substanzen, die z. B. durch industrielle Prozesse in das Lösemittel hineingelangen oder die in Lackierwerkstätten bei der Reinigung von Lackierpistolen entstehen, wie gewisse Farbreste, die das Lösemittel verunreinigen. Diese Lösemittel-Abfälle nimmt der Standort in Braunschweig zurück und arbeitet sie mittels einer Destillation wieder auf. So werden die Lösemittel recycelt und gelangen durch uns wieder in den Kreislauf.

4. Wer trifft die Entscheidung, ob verunreinigte Lösemittel verbrannt oder recycelt werden?

Je nachdem, inwieweit das Material verunreinigt ist, kann es aufbereitet werden oder nicht. Das hängt immer davon ab, wie hoch beispielsweise der Anteil der Lackierreste im Lösemittel ist. Wenn der Lackschlamm in der Flüssigkeit einen gewissen Schwellenwert übersteigt, wird es schwierig mit dem Recycling des Lösemittels, da die Durchmischung zu hoch ist. Meist werden diese gefährlichen Abfälle dann in die Verbrennung gegeben oder in anderen Prozessen getrocknet und in der Zementindustrie eingesetzt. Es kommt auch darauf an, aus welchen Branchen das Material stammt. Wurde es ursprünglich in der Pharmaindustrie verwendet, um gewisse Prozesse zu steuern, kann es sein, dass es Medikamentenrückstände enthält. Und diese können so nicht in den Handel weitergegeben werden. Ein kritischer Punkt ist übrigens auch die Entsorgung von verunreinigten Lösemitteln, da es nicht viele Anlagen dafür gibt. Deshalb ist das Rücknahmesystem ein gewisser Anreizpunkt und Wiedergewinnung wird vermehrt bei unseren Kunden und Kundinnen nachgefragt.

5. Wahrscheinlich spielt auch eine große Rolle, dass mit REMONDIS eine starke Logistik im Hintergrund steht?

Genau, das mit dem Rücknahmesystem wird zum größten Teil intern durch unsere Fahrzeuge gelöst. Die REMONDIS Medison hat jetzt auch eine neue Sparte: die MIXX-TOUR als Kleinmengen-Logistik. Diese wird gerade in Prozesse der Rücknahme eingebunden, um so den kompletten Kreislauf innerhalb der REMONDIS-Welt und der Medison zu gewährleisten. Gerade das hat auch für unsere Kundschaft weitere Vorteile, denn so ist nicht nur die Lösemittelrücknahme gewährleistet, sondern auch die Abholung anderer Stoffe und Materialien. Beispielsweise hat eine Lackierwerkstatt auch weitere Abfälle, wie zum Beispiel Lackierfolien, die dann gesammelt mit der MIXX-TOUR abgeholt werden. Der Transport von lösemittelhaltigen Abfällen erfolgt vornehmlich in 60-Liter-Fässern. Entweder in Spannringfässern oder Mehrweggebinden aus Kunststoff. MIXX- TOUR ist deutschlandweit unterwegs. Die Rücknahme ist nicht kostenfrei, aber im Endeffekt gibt es für Kunden die Möglichkeit, die Sachen zur Aufbereitung zurückzugeben oder diese zu entsorgen, zumal die Entsorgungsmöglichkeiten, wie schon erwähnt, nicht mehr so breit gestreut sind.

6. Welche rechtlichen Vorschriften sind bei der Herstellung und beim Abfüllen von Farben, Lacken und Verdünnern zu beachten?

Da wir hier Gefahrstoffe abfüllen, gibt es viele klare und strenge Vorgaben. Zum einen muss unsere Anlagentechnik für diese Stoffe ausgelegt sein. Wir haben am Standort zahlreiche Absaugungen und andere Technologien, so dass auf dem Firmengelände eine mögliche Explosion vermieden wird. Auch alle gefahrgutrechtlichen Themen müssen berücksichtigt werden, wenn die Produkte unsere Herstellung dann zur Auslieferung verlassen. Handelt es sich um ein ätzendes Produkt, ein entzündliches Produkt? Was passiert, wenn es in Augen oder Hände von Kunden gerät, wie ist im Notfall zu reagieren? Deshalb gibt es Sicherheitshinweise auf den Produkten und eine Giftnotrufzentrale, wo die Stoffe bereits im Vorfeld gemeldet werden müssen. Zudem sind wir im Bereich Arbeitssicherheit für unsere eigenen Mitarbeiter gefordert: Wir sorgen u. a. für entsprechende Arbeitsbekleidung, Sicherheitsschuhe, Schutzhandschuhe, Schutzbrille etc. Unser speziell versiegelter Boden garantiert, das nichts ins Erdreich gelangt und alles abgeleitet wird. Zusätzlich arbeiten wir mit speziellem Werkzeug aus Messing, das keine Funken erzeugen kann, wenn beispielsweise einem Kollegen ein Schraubenschlüssel auf den Boden fällt.

7. Mit welchen Herausforderungen ist Ihre Produktion im Markt konfrontiert?

Die größte Herausforderung ist im Moment das Thema Nachhaltigkeit, das auch verstärkt durch den Handel und die Automobilindustrie nach vorn gebracht wird, die immer mehr bestrebt sind, nachhaltige Produkte anbieten zu können. Als Lieferant sind wir selbstverständlich auch in der Verantwortung und werden immer häufiger gefragt, was wir für unsere Kunden zum Thema Nachhaltigkeit tun können. Betrachtet man das Endprodukt, ist das zum einen der Rohstoff, der umweltfreundlicher sein kann. Hier können wir ein breitgefächertes Sortiment an Regeneraten anbieten. Andererseits stellt sich die Frage hinsichtlich Umverpackung und Behältern, also dem Gebinde um das Produkt. Bei den gängigen Blechgebinden ist Nachhaltigkeit durch einen gewissen Recyclingprozess gegeben. Was im Moment die größte Herausforderung darstellt, ist, die PETVerpackung in Richtung Nachhaltigkeit zu optimieren. Hierbei haben wir es ja mit Gefahrgütern zu tun und die Gebinde benötigen dementsprechend eine bestimmte Zulassung, um transportiert werden zu können. Wir befinden uns jetzt in verschiedenen Prozessen, um eine nachhaltige Flasche als Lösung anbieten zu können. Dabei geht es um Fragen wie: Welche Tests muss das Behältnis bestehen, damit es für den Straßenverkehr gesetzeskonform zulässig ist? Wie hoch darf der Rezyklatanteil sein, um gewissen Qualitätsanforderungen zu entsprechen? Wie sollte sich die Verpackung zusammensetzen, damit die Stabilität der Flasche gegeben ist, sich nicht durch aggressivere Lösemittel in ihre Bestandteile auflöst? Des Weiteren schauen wir auch nach Kunststoffen aus nachwachsenden Materialien, wie aus Mais oder Getreidestärke, und prüfen, inwieweit überhaupt deren Zulassung möglich ist.

8. Und gibt es noch andere Projekte zum Thema Nachhaltigkeit?

In anderen Bereichen blicken wir ebenso nach links und rechts, z. B. im Bereich Etiketten aus verschiedenen Materialien, die nachhaltig sind, wie aus Steinmehl oder Gras. Wir sind bestrebt, Projekte ins Leben zu rufen, um möglichst nachhaltige Produkte anzubieten. Da geht es weiter mit nachhaltigen Kartonagen, Stretchfolien für die Paletten, nachhaltigere Logistik... das Feld ist breit gefächert. Ein großes Thema ist die Flasche, der Verschluss usw., das hat im Moment Vorrang. Eines der Ziele, die wir uns setzen, ist auch, weiter Regenerate einzusetzen, die Quote von circa 50 Prozent immer weiter zu erhöhen. Man definiert für sein Unternehmen bestimmte Ziele für seinen ökologischen Fußabdruck und versucht dann Schritt für Schritt, diese Ziele zu erreichen. Es gibt ein Umdenken und wir schauen, dass wir mit dem Wandel gehen und alternative Lösemittel und Technologien suchen, um umweltfreundlichere Produkte am Markt anbieten zu können.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ansprechpartner bei Fragen zum Thema:

Jan Schlick

T +49 361 65459 313
F +49 361 65453 920


REMONDIS Industrie Service GmbH & Co. KG