Vom Einzelhandel zur Chemie: Ein Quereinstieg, der neue Wege eröffnet
09.03.2026
Mit Mitte 30 noch einmal etwas ganz Neues wagen: Viele träumen davon, trauen sich aber nicht und bleiben im alten Job. Es gibt aber auch Menschen, die den Schritt wagen und einen ganz neuen beruflichen Weg einschlagen. Einer von ihnen ist Dennis Trappmann, Produktionsfachkraft Chemie in der REMONDIS Industrie Service Niederlassung Andernach. Wie sein Weg zu REMONDIS Industrie Service aussah, was er vorher gemacht hat und warum er geblieben ist, erzählt er uns.
Lieber Dennis, was machst du bei REMONDIS Industrie Service in Andernach und wie startet dein Tag hier üblicherweise?
Ich arbeite als Produktionsfachkraft Chemie, das ist im Grunde die Vorstufe zum Chemikanten. Hier in Andernach bediene ich unsere CP-Anlage, also die chemisch-physikalische Behandlungsanlage für flüssige Sonderabfälle. Die läuft rund um die Uhr. Dazu gehören auch zusätzliche Aggregate wie der Verdampfer oder die Kammerfilterpresse, die wir zur Entwässerung nutzen. Morgens starte ich häufig damit, den sogenannten Filterkuchen aus der Presse zu leeren.
Deine Ausbildung dafür liegt noch nicht so lange zurück. Was hast du vorher beruflich gemacht und wie bist du zum Sonderabfall gekommen?
Das stimmt. Ich habe im Januar 2024 meine zweijährige Ausbildung zur Produktionsfachkraft Chemie abgeschlossen und arbeite seitdem mit dieser Fachkräfte-Qualifikation. Vorher habe ich etwas ganz anderes gemacht: Ich war im Einzelhandel tätig, als Einzelhandelskaufmann. Dort habe ich aber irgendwann gemerkt: Das ist nicht mehr meins.
Über eine Leiharbeitsfirma bin ich dann zu REMONDIS Industrie Service gekommen, erstmal ganz klassisch als Hofmitarbeiter. Ich habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt. Die Kolleginnen und Kollegen waren super, die Arbeit hat Spaß gemacht. Und ich merkte schnell, dass ich gern mehr Verantwortung übernehmen möchte. Dazu kommt, dass in unserem Bereich Fachkräfte fehlten. Also habe ich einfach mal bei der Niederlassungsleitung nachgefragt, ob es möglich wäre, mich in diese Richtung weiterzubilden – und das ging dann auch sehr schnell. Ein halbes Jahr später war ich schon an der Berufsschule angemeldet, das hat richtig gut gepasst.
In welchem Moment im Einzelhandel hast du gemerkt, dass du eine Veränderung möchtest?
Als ich auf der Fläche stand und den Frust von Kundinnen und Kunden abbekommen habe – zum Beispiel, wenn ein Artikel aus der Werbung schon früh ausverkauft war und sie extra morgens um sieben gekommen sind. Damit bin ich auf Dauer nicht gut klargekommen. Da wurde mir klar, dass ich lieber etwas anderes machen möchte.
Wie lief die zweijährige Ausbildung zur Produktionsfachkraft Chemie ab?
An meinem Standort in Andernach war ich der erste Auszubildende in diesem Bereich. In der Ausbildung habe ich sehr viel über Anlagentechnik, Pump- und Rohrsysteme gelernt – sowohl theoretisch als auch praktisch. Dieses Wissen nutze ich heute täglich, zum Beispiel beim Einstellen von Durchflussmengen oder beim Bedienen der Anlagen.
Ursprünglich habe ich die Ausbildung gemacht, um später in der kommunalen Schadstoffsammlung mit dem SafetyTruck zu arbeiten. Das war eigentlich das Ziel. Dann gab es aber an der CP-Anlage Bedarf, wir haben eine neue Anlage bekommen, und weil mir diese Arbeit auch richtig gut liegt, bin ich jetzt seit etwa einem halben Jahr hier tätig.
Warum machst du die Arbeit an der CP-Anlage gern?
Ich bin ein Mensch, der Routinen mag. An der CP-Anlage gibt es feste Strukturen und Abläufe, die sich immer wiederholen. Mittlerweile habe ich mir da ein gutes Selbstvertrauen erarbeitet und fühle mich sicher bei dem, was ich tue. Genau das macht die Arbeit für mich angenehm.
Du bist Mitte 30, Azubis sind bei REMONDIS Industrie Service meist viel jünger. Wie war die Altersstruktur in deiner Berufsschulklasse und wie bist du damit zurechtgekommen?
Beim Ausbildungsstart war ich Anfang 30. Der Jüngste in meiner Klasse war 16, also ungefähr halb so alt wie ich. Der Nächstälteste war 25. Ich bin jemand, der sich schnell anpasst, und ich konnte mich auf das Alter der anderen einstellen. Ich wurde dadurch quasi mit jünger (lacht). Letztlich hat das super funktioniert, wir haben gut miteinander gelernt und gearbeitet – und auch viel Spaß gehabt.
Wie haben die Kolleginnen und Kollegen in der Niederlassung auf die Ausbildung und deinen Quereinstieg reagiert?
Die waren total offen, das war überhaupt kein Problem. Ich fühle mich hier richtig gut aufgehoben. Wenn ich Fragen oder ein Problem habe, kann ich jederzeit jemanden ansprechen. Es gibt hier definitiv nicht die Einstellung: ‚Der hat ja gar keine Ahnung, der soll bloß wegbleiben‘ – sowas kommt hier überhaupt nicht vor.
Wie hat dein privates Umfeld auf den Wechsel reagiert?
REMONDIS ist ja schon ein bekannter Name und steht für Sicherheit und Verlässlichkeit. Deshalb wurde mein Wechsel, als ich meiner Familie davon erzählt habe, auch sehr positiv aufgenommen. Und man weiß ja auch: Solange es Menschen gibt, werden wir immer mit Abfällen und Sonderabfällen zu tun haben. Andere Branchen sind oft kurzlebig, da sich durch neue Entwicklungen wie KI schnell viel verändern kann. Die Recyclingbranche hingegen ist krisensicher.
Wozu werden CP-Anlagen genutzt?
In CP-Anlagen werden mittels chemischer und physikalischer Verfahren flüssige Sonderabfälle behandelt. Dazu gehören zum Beispiel Laugen, Säuren, Öl-Wasser-Gemische, metallsalzhaltige Flüssigkeiten oder andere industrielle Abfälle. Diese werden einer komplexen Reinigung und Neutralisation zugeführt. Auf diese Weise lassen sich Schadstoffe und enthaltene Wertstoffe sowie einleitfähiges Abwasser zuverlässig separieren.
Hattest du in deinem früheren Berufsleben schon Berührungspunkte mit Chemie, Handwerk oder Technik oder musstest du vieles neu lernen?
Tatsächlich hatte ich vorher handwerklich überhaupt keine Affinität. Ein Loch in die Wand bohren? Da hätte ich eher meinen Opa angerufen. Aber hier hat sich das nach und nach entwickelt. Alles, was an handwerklichen Tätigkeiten gefordert wird, kann man lernen, das schafft jeder. Auch chemisches Wissen musste ich mir komplett neu aneignen. Von der 9. bis zur 13. Klasse belegte ich keinen Chemieunterricht mehr, weil ich das Fach abgewählt hatte. In der Ausbildung wird einem das aber Schritt für Schritt beigebracht. Im ersten Jahr ging es um die Grundchemie und die Inhalte konnte ich dann recht schnell aufholen.
Von wem hast du für deinen jetzigen Job am meisten gelernt?
Natürlich habe ich viel von meiner Ausbilderin gelernt. Auch mein Niederlassungsleiter hier vor Ort hat mich immer unterstützt. Theorie und Praxis sind ja oft zwei ganz verschiedene Dinge. Das Wissen über technisch komplexe Anlagen ist das eine. Aber Situationen in der Praxis, zum Beispiel Verstopfungen oder andere Probleme, zu lösen, ist nochmal etwas anderes. Mittlerweile habe ich bei vielen Abläufen schon Erfahrungen gesammelt, auf die ich mich verlassen kann.
Generell war ich eher selbständig und habe mich um die meisten Dinge, die es zu lernen gab, selbst gekümmert. Bei kleineren Fragen habe ich nachgefragt, und dann wurde mir immer geholfen.
Worauf freust du dich in Zukunft?
In unserer Niederlassung bekommen wir gerade eine neue Chargenbehandlungsanlage, die aktuell angeschlossen wird. Deshalb fahre ich in ein paar Tagen mit unserem Trainee, der uns bei der Einrichtung unterstützt, zur Niederlassung Schleiz in Thüringen. Denn dort läuft so eine Anlage bereits. Wir schauen uns die Anlage genau an, tauschen uns mit dem Team über Abläufe und Erfahrungen aus, damit wir das Wissen direkt hier in Andernach nutzen können.
Dein persönliches Resümee: Würdest du den Schritt, einen Quereinstieg in eine ganz andere Branche zu wagen, noch einmal gehen?
Ganz bestimmt. Ich würde den Schritt wieder so gehen. Der Einstieg in die Abfallwelt hat für mich perfekt gepasst.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute!
Bildnachweise: REMONDIS