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Sammlung und Transport von Gefahrstoffen in Sicherheitsbehältern (ASP/ASF)

Warum bei gefährlichen Abfällen kein Weg an den Sicherheitsbehältern ASP und ASF vorbeiführt, kann man von Klaus Scherler, einem Sonderabfall-Experten der ersten Stunde, erfahren. Seit den 70er Jahren stellt sich der Geschäftsführer der REMONDIS Industrie Service den Fragen nach umweltschützenden Sammelsystemen und professionellen Lösungen für Abfallerzeuger.

Sicherheitsbehälter ASP und ASF

Wie ist die Idee zu speziellen Abfallsammel-Behältern entstanden und woher stammt die Bezeichnung?

Die Entwicklung dieses Sammel- und Transportsystems hat eine relativ lange Geschichte. Die Motivation, so ein System überhaupt zu entwickeln, entstand in den 1975er Jahren, in denen es zu diversen Umweltskandalen in der Bundesrepublik kam. Viele von ihnen hatten mit 200 Liter-Stahlblech-Fässern zu tun oder mit Verpackungen, die im Prinzip schon ausrangiert waren. In denen wurden trotz Schäden und Lecks gefährliche Abfälle transportiert, dies führte zu Verschmutzungen und Umweltschäden. Der Begriff „Sonderabfall“ kommt aus der Zeit des ersten Abfallbeseitigungsgesetzes des Bundes von 1972, das zum ersten Mal bundeseinheitlich regelt, dass gefährlicher Abfall eine „besondere“ Behandlung erfahren muss. Der damals größte Entsorger Deutschlands, die Firma Edelhoff, hat sich dem Thema Sonderabfall als Erster angenommen und sich darauf spezialisiert. Eine sichere Lösung musste her für den Abfallerzeuger. Es folgte eine Marktsondierung im Verpackungsbereich und die Verantwortlichen kamen  dann für flüssige und pastöse Stoffe auf sogenannte kubische Tankcontainer von Thyssen, die damals schon für Reinstoffe in der chemischen Industrie und in der Lackindustrie eingesetzt wurden. Die eigneten sich allerdings nur für pumpbare- und nicht für Feststoffe. Der Behälter musste eine einheitliche Bezeichung haben Da er vorrangig zunächst für Altöl und Schlämme eingesetzt worden ist, ist die Abkürzung „AS“ aus diesen zwei Begriffen entstanden. Der Begriff „AS“ist dann im Laufe der Geschichte mehrfach umgedeutet worden als „Abfallsonderbehälter“ usw., aber ursprünglich hieß er Abfall- und Schlammbehälter, AS-Behälter.
 

Die Weiterentwicklung für Feststoffe folgte, wobei  das Zulassungsverfahren  unheimlich schwierig war, denn der Behälter wurde bei der Prüfung mit Sand und Wasser gefüllt, aus 1,50 Metern fallengelassen und musste samt Deckel dicht bleiben. Später konnten wir noch durch den Einsatz eines zusätzlichen Polyethylen-Sacks die Behälterwandung vor chemischen Reaktionen und Schmutz schützen.

Worin liegt genau der Unterschied zwischen ASP- und ASF-Behältern?

Beides sind zunächst erstmal feuerverzinkte Behälter. ASFs eignen sich für Flüssigkeiten und ASPs für feste und pastöse Stoffe. Von 1978 an gab es diese zwei Behältertypen, der eine mit 1000 Liter Inhalt für Flüssigstoffe und Domdeckel (ASF) und den zum ersten Mal für die Abfallwirtschaft entwickelten ASP-Behälter für feste und pastöse Stoffe mit 800 Litern Fassungsvermögen. Wichtig war immer, dass das Europaletten-Maß nicht umgangen wird, sondern dass Containerlogistik und Lagertechnik mit den Behältern nach Europalettenmaß arbeiten konnten.

Welchen umwelttechnischen Fortschritt brachte die Etablierung der Sicherheitsbehälter?

Wie schon erwähnt, 1972 hat man sich erstmals damit beschäftigt, Produktionsabfälle und chemische Abfälle, die Haus- und Gewerbeabfall nicht ähnlich sind, getrennt zu erfassen und zu entsorgen. Vorher ging alles auf irgendwelche Müllkippen in Deutschland, wo man alles zusammen entsorgte: Gewerbeabfall, Industrieabfall aus den ansässigen Betrieben, Hausmüll etc. Und einmal im Jahr wurde alles verbrannt und dann planiert, um wieder Platz für den nächsten Abfall zu schaffen. Gut, dass die Bundesregierung dann das Abfallbeseitigungsgesetz verabschiedete. Seitdem gibt es Verordnungen, die vor allem für die Lagerung und den Transport gefährlicher Abfälle, für Sonderabfälle, gelten: Transport- und Ausfuhrgenehmigungen und vor allem Behälterstandards. Die  Entsorgungswirtschaft entwickelte sich zu einer eigenen Branche mit zahlreichen technischen Neuerungen und Recyclingideen, vorrangig um die Umwelt zu schützen.

Sicherlich gab es politischen Druck, dass man sich für Sicherheits-Behälter einsetzte?

Früher war die Müllabfuhr immer eher eine „Asche-Abfuhr“. Vieles wurde in Gruben verschüttet, letztendlich kam dann Druck aus der Bevölkerung, denn es entstanden  Grundwasser- und Emissionsprobleme. Menschen bekamen Krupphusten, weil Luft und Wasser unrein waren – sehr häufig durch die Verbrennung des Abfalls. Die Regierung stand vor einer immensen Aufgabe und Bundeskanzler Willy Brandt prägte damals das geflügelte Wort: „Der Himmel über der Ruhr soll wieder blau werden.“ Seitdem erfolgten mehrere Maßnahmen. Zum Beispiel wurden Müllkippen deutlich reduziert, Deponien fachgerecht gebaut. Aus vorher ungefähr 100.000 Kippen in Deutschland wurden zehn Jahre später nur noch 12.000 geordnete Deponien. Irgendwann war auch klar: Nicht-vorbehandelten Abfall abzulagern, funktioniert wegen des unreinen Sickerwassers auch nicht mehr. Es entstanden sichere Müllverbrennungsanlagen, verschiedene Behälterlösungen und Feintunings und immer mehr Verwertungs- und Recyclingkonzepte und deren Feintuning. Was die AS-Behälter betrifft, haben wir das System in den 1980er Jahren für die Kunden so weiterentwickelt, dass die Industrie den Behälter nicht nur als Transportlösung, sondern auch als Lagerbehälter verwenden konnte, auch als kleinere Variante für geringere Mengen.

Welchen Vorteil haben AS-Behälter gegenüber IBCs?

Die IBCs (Intermediate Bulk Container) haben einen großen Vorteil: Beim Transport von gefährlichen Abfällen geht es nur um die sichere Verpackung und ausschließlich einen Transportweg. Der IBC wird beim Kunden befüllt, abtransportiert und vollständig verbrannt. Die AS-Behälter hingegen sind Mehrwegsysteme. Das heißt, der AS-Behälter wird leer zum Kunden gefahren, vor Ort befüllt, abtransportiert, der Inhalt entsorgt und wieder zurück zum Kunden gebracht – das ist ein Wechselsystem. Früher hat der Transportaufwand nicht so die ganz große Rolle gespielt, weil der Anteil der Transportkosten am Gesamtentsorgungsvorgang bei Sonderabfall früher zwischen 11 und 14 Prozent lag. Heute – durch verschiedene Maßnahmen – z. B. durch Verteuerung des Diesels oder Maut-Themen, liegen die Transportkosten in der Entsorgung heute schon zwischen 21 und 25 Prozent.

Das heißt, wir haben quasi auf das „Produkt“ Abfall betrachtet, immer eine Leerfahrt. Aber der IBC hat umwelttechnisch einen Riesen-Nachteil: Die IBC-Blase wird komplett verbrannt und erfährt sehr selten ein Recycling, höchstens 20 Prozent weltweit. Ein AS-Behälter hält im Schnitt fünf bis zehn Jahre. Wir finden aber auch immer noch Typen der Behälter, die schon 20 und 25 Jahre im Einsatz sind. Die bekommen mal neue Verschlüsse oder eine Dichtung, aber bestehen jede  TÜV- Prüfung, wenn es um Sicherheit geht. AS-Behälter sind ein kluges und robustes Mehrwegsystem.

Welche Kunden verwenden vor allem AS-Behälter?

Vor allem in kleinen und mittelständigen Unternehmen überwiegt nach wie vor der AS-Behälter. Der IBC hat seine Domäne eher in der Großchemie. Weil Kunden aus der chemischen Industrie daran gewöhnt sind, ihre Rohstoffe in diesen Behältern bereits geliefert zu  bekommen und ihre Produkte ebenfalls in IBCs auszuliefern. AS-Behälter werden fast ausschließlich an Kunden vermietet. So kann der Kunde immer davon ausgehen, dass unsere AS-Behälter einer entsprechenden regelmäßigen Prüfung zugeführt werden. 

Welche Rolle spielt REMONDIS in der Entwicklung und Etablierung der AS-Behälter?

Nachdem es auch mehrere Hersteller gab, haben wir mit der REMONDIS Industrie Service (RIS) den Sonderabfalltransport mit AS-Behältern fortgeführt. Die Behälter-Hersteller haben die entsprechenden Anforderungen der Entsorger an die Verpackungen aufgenommen und die Entwicklung der Behälter vorangetrieben. Die Behälter sind zum Beispiel auf Anraten der RIS leichter geworden, es entstanden verschiedene Deckeltypen mit verschiedenen Verschlussarten, je nach Zulassung sogenannte X- oder Y-Codierungen. Jetzt nach über 40 Jahren Entwicklungszeit ist das System soweit ausgereift, dass es kaum noch nennenswerte Verbesserungen benötigt.

Welche rechtlichen Anforderungen kann ein AS erfüllen?

Alles, was das ASR-Recht vorsieht, muss der Behälter im Prinzip erfüllen. Es gibt sogenannte Bauart-Zulassungen für die einzelnen Stoffe, zu jedem Behältertyp, den es gibt, gibt es heute eine entsprechende Beständigkeit. Wenn ein AS als Lagerbehälter verwendet wird, dann muss er im Prinzip nach wie vor eine Zusatzeinrichtung haben, eine Auffangwanne, denn laut Wasserhaushaltsrecht benötigt man Sicherheitsredundanzen, , wenn bspw. Undichtigkeiten auftreten. Laut dieser Verordnung müsste der AS doppelwandig sein, kann er aber als Transportbehälter nicht, weil er dann noch viel schwerer wäre. Für den Transport akzeptiert man Einwandigkeit, aber für die Lagerung (unbestimmte Zeit), musste ein Auffangraum entwickelt werden, so dass, falls der Behälter undicht wird, nichts unkontrolliert ins Erdreich sickern kann. Im Übrigen gilt das auch für IBCs, denn das sind auch „nur“ Transportbehälter.

Wie läuft es genau ab, wenn ein AS-Behälter entsorgt wird?

Der Behälter ist zunächst erst einmal auf sogenannten Distributionspapieren registriert, erreicht damit den Entsorgungshof und wird in eine Annahmezone gebracht. Dort erstellt ein Mitarbeiter einen Behälterlaufschein, registriert werden Inhalt, Behältertyp, Behälternummer und andere wichtige Daten. Das heißt, der AS wird identifiziert mit Ort und Zeit. In der Annahmezone erfolgt eine Probe, in dem der Entsorger feststellt, ob der Inhalt, der deklariert wurde, auch mit der Identifikationsanalytik übereinstimmt. Wenn das der Fall ist, wird der Behälter zunächst in ein Lager gefahren. Hier werden sogenannte Menüs zusammengestellt, je nachdem, welches Behandlungsverfahren für den Abfall in Frage kommt. Also, ob der Sondermüll einem Verwertungs-, einem Trennverfahren, einem chemisch-physikalischen Verfahren oder eben einer Aufbereitung zur Verbrennung durch Homogenisierung zugeführt wird. Gezielt für dieses Menü wird der Abfall dem AS entnommen und dann in einen Reaktor, in ein Mischbett oder in eine Sortieranlage entladen. Im leeren Zustand (also auch ohne Inliner) wird dann der AS einer Sichtkontrolle unterzogen, innen neu eingefasst und erhält eine Inspektion, ob  Verschlüsse und Dichtungen intakt sind. Behälter, die stärker verschmutzt sind, werden einer Wäsche unterzogen, und dann zur erneuten Auslieferung bereitgestellt.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Ansprechpartner bei Fragen zum Thema:

Rene Jurock
T +49 2306 106 - 335
F +49 2306 106 - 677


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